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Death Becomes Her
Der etwas radikale Titel dieser Story erklärt sich aus einem einfachen Umstand heraus: Die britisch/niederländische Songwriterin Tessa Rose Jackson machte nämlich bei ihrem ersten Auftritt in der Domstadt und dem letzten Termin ihrer Frühlingstour deutlich, dass es auf ihrem aktuellen Album „The Lighthouse“ (das es an diesem Abend vorzustellen galt) des Öfteren um das Thema Tod ginge. Einige der Tracks des neuen Albums – wie zum Beispiel „Wild Geese“, „The Prizefighter“ und wohl auch „When Your Time Comes“ – beschäftigen sich mit ihrer verstorbenen Mutter. (Tessa ist mit zwei Müttern aufgewachsen, von der eine eben einer Krankheit erlag.) Nun ist die Songwriterin Tessa Rose Jackson nicht die Art von Songwriterin, die sich im Trübsal-Blasen delektiert. Es geht in diesen Songs also nicht darum, zu wehklagen, zu jammern oder die Endgültigkeit des Daseins zu bedauern. Stattdessen zelebriert Tessa in ihren Songs als einfallsreiche Geschichtenerzählerin, die nie um schöne Bilder wie Leuchttürme, Schneegänse oder verlegen ist, sondern eher das Leben der verblichenen bzw. die Form, in der diese dann immer noch am Dasein der Hinterbliebenen teilhaben können (etwa als Geister oder Spirit-Animals, die die Lebenden nicht heimsuchen, sondern eher schützend begleiten). Das führt dann dazu, dass Tessa ihr Material auf eine überraschend transzendente, transparente – ja sogar leichtfüßige Art und Weise präsentiert, was ihr also außerordentlich gut zu Gesicht steht und womit wir auch endlich bei der Show in der Kölner Wohngemeinschaft wären.
Tessa präsentierte ihre Show in Köln mit denselben niederländischen Musikern, die ihr auch bei der Produktion der LP „The Lighthouse“ unter die Arme gegriffen hatten. Im Vorfeld der Tour hatte sie noch überlegt, ob sie ältere Stücke von ihrem vorherigen Projekt unter dem Namen „Someone“ mit in das Tour-Programm mit einbinden sollte – hatte sich dann allerdings wohl dagegen entschieden – unter anderem auch deswegen, weil die Songs aus der „Someone“-Phase eine deutlich andere – poppigere – Ausrichtung hatten. So gab es denn mit dem Song „Strange World“ eine einzige Nummer aus dem „Someone“-Universum sowie den EP-Track „Shadow Song“ und den Song „So This Is Lonely“, den Tessa in ihrer Eigenschaft als Soundtrack-Komponistin für das Video-Game „Life Is Strange“ geschrieben hatte. Der Rest des Programmes bezog sich dann auf das Material des „The Lighthouse“-Albums, das dann mit Folk-, Westcoast- und Laurel-Canyon Vibes und einer Prise leichtfüßiger Psychedelia – aber ohne den Versuch, die reichhaltigen Orchester-Arrangements des Albums zu emulieren – präsentiert wurde. Im Prinzip funktionierte das dann wie auf der Scheibe, aber mit jeder Menge Live-Esprit, wurde teilweise aber zu regelrechten Jam-Sessions aufgebohrt. Hier durften dann mal Gitarrist Kevin Van Moorsel, insbesondere aber auch Keyboarder Darius Timmer (der die Scheibe auch mit produziert hatte) bei lebhafteren Songs wie dem „Shadow Song“ oder „Wild Geese“ zeigen, was sie als Solisten drauf hatten, während sie sich ansonsten songdienlich zurückhielten. Tessa Rose leitete das Publikum mit der Akustik-Gitarre in der Hand mit amüsanten Anekdötchen durch das Programm, prägte den gesanglichen Vortrag dann mit nonverbalen Vokal-Elementen und bat das Publikum dankenswerterweise nur ein Mal, mitzusingen.
Nach einer herausgeklatschen Zugabe ging es nach der Show dann an den Merch-Stand, wo die Reste des auf der Tour mitgeführten Tonträgermaterials und T-Shirts erworben werden konnten. Es bildete sich sogleich eine der längsten Fan-Schlangen, die jemals an dieser Stelle beobachtet wurden. Die aktuelle Vinyl-LP fand dabei reißenden Absatz und war kurzzeitig sogar ausverkauft. Bei ihrem nächsten Besuch in Köln sollte Tessa Rose Jackson also besser einen größeren Club ins Auge fassen.



















