Platte der Woche KW 14/2026
Nachdem die italienische Musikerin Charlie Risso 2024 durch eine glückliche Fügung an den Darkmaster Hugo Race geriet, der ihr drittes Album „Alive“ maßgeschneidert auf den Leib produzierte – und sie damit mit einem Schlag auf der internationale Darkwave und Noir-Szene etablierte -, sorgt auf dem nun vorliegenden, vierten Album Brian Lopez als Duettpartner und Gast in dem Track „Let’s Move Somewhere Else“ für internationales Flair. Das ist deswegen nicht unerheblich, weil man es im heimatlichen Italien als englischsprachige Songwriterin ziemlich schwer hat, sich zu etablieren – zumal in einem so spezifischen Genre, wie dem, das sich Charlie Risso ausgesucht hat. Die Idee, ihre Zeit zwischen Mailand und London aufzuteilen, ist daher sicherlich richtig und förderlich.
Das, was „Rituals“ von seinem Vorgänger „Alive“ absetzt, ist zum einen der verstärkte Einsatz elektronischer Bestandteile – die allerdings nicht in Form produktionstechnischer Gimmicks, sondern in Form von Synthie-Elementen in Songs wie dem Opener „Bad Instinct“ oder „WYFM“ („When You Finish Me“) Einzug finden und dann auch oft durch organische Elemente ergänzt werden. Und auf der anderen Seite ist allgemein eine stärkere Song-Orientierung zu beobachten, die deutlich über das Erforschen psychedelischer Klangwelten hinausgeht. Beispiele dafür sind dann Stücke wie „Under A Spell“, „Winter Games“ oder das bereits erwähnte „Let’s Move Somewhere Else“, die auch eine solide erzählerische Basis haben, auf der sich Charlie Risso ihre nachtschattigen Gedanken über die Abgründe der menschlichen Seele macht.
Selbstredend gibt es aber auch noch freischwebende Psychedelia (etwa im abschließenden Instrumental „Stray Dog“) und Kaputnik-Drive in Tracks wie „The Dust“ oder „Free To Leave“ – die dann auch mit einer gewissen Portion Unerbittlichkeit daher kommen. Und selbst für eine Dreampop-Klangwolke wie „Winter Games“ (die ihren Sound ganz klar Charlie Rissos Affinität zu David Lynch zu verdanken hat) bleibt noch Raum. Auch wenn sich Charlie Risso in einem stilistisch eher eng gefassten musikalischem Umfeld bewegt, zeigt sie mit diesem Album eindrucksvoll ihre Eigenständigkeit und Vielseitigkeit und beweist somit, dass man sich auch innerhalb einer Subnische nicht mit Klischees zufrieden geben muss.
„Rituals“ von Charlie Risso erscheint auf Sounzone.



