Es ist ja nun schon schon ein paar Tage her, seit die Wahlberliner Liedermacherin Alin Coen 2020 mit ihrem Album „Nah“ die letzte Songsammlung mit neu geschriebenen Liedern veröffentlichte. Nun liegt mit „Du bedeutest mir die Welt“ endlich ein neues Werk der Alin Coen Band vor. Nicht dass sich Alin zwischenzeitlich gelangweilt hätte. Mit dem 2022 erschienen Album „Alin Coen & Stüba Philharmonie“ – einer orchestralen Aufarbeitung einiger eigener Titel und Cover-Versionen – legte sie sogar eine wesentliche Ergänzung ihrer Diskographie vor. Aber wie sie in den Gesprächen zu dem „Nah“-Album bereits anklingen ließ, hat Alin Coen einfach keine Lust, sich nach dem Hamsterrad-Prinzip als Künstlerin mit Dauerpräsenz darzustellen.
Die langen Pausen zwischen den jeweiligen Projekten mit neuem Material haben aber auch ihre Vorteile: Denn so hat Alin als Songwriterin ja genügend Zeit, ihr Material so lange zu bearbeiten und reifen zu lassen, bis der musikalische Idealzustand erreicht ist. Gerade dieser Eindruck stellt sich bei der geradezu liebevoll austarierten neuen Songsammlung ein – bei der nun wirklich jeder Ton und jede Nuance ausbalanciert genau die richtige emotionale Wirkung hervorruft. Wohlgemerkt: Dabei geht es nicht um technische Perfektion, sondern alleine um die atmosphärische und emotionale Wirkung, die Alin erreichen möchte. Weniger ist dabei oft genug mehr, wie die brillante Solo-Piano-Ballade „Atme ein atme aus“ eindrucksvoll demonstriert – denn hier geht es nicht um Virtuosität oder glattgeputze Akustik (der Song basiert auf einfachen Piano-Akkorden und die Geräusche der Fußpedale wurden nicht produktionstechnisch entfernt), sondern den bittersüß/tröstlichen Hauch von philosophischer Nachdenklichkeit, den Alin Coens Gesang hinterlässt.
Auch die Tracks mit Band-Begleitung brillieren nicht durch Opulenz oder Druck, sondern über ihre leichtfüßige Transparenz – und das, obwohl die Songs mit originellen Arrangement-Ideen überraschen und unterhalten. Dazu gehören dann auch atypisch angelegte Songs wie „Die wichtigen Zahlen“, „Schwer verliebt“, „Bis bald“ oder dem anschließendem Titeltrack, mit denen Alin Coen gesanglich mit Sprechgesang und abenteuerlich zerdehnten Vokalakzenten experimentiert.
Was die Songs aber grundsätzlich miteinander verbindet, ist Alins Geschick, in den verschiedenen musikalischen Settings immer wieder zu wunderschönen melodischen und harmonischen Ideen links der Mitte zu finden, die eine förderliche Basis für ihre poetisch/lyrischen Ergüssen zum Thema Nähe und Gemeinschaft bilden – und die am Ende in einer ausgewogenen Balance zwischen Melancholia und Lebensfreude kumuliert.
„Du bedeutest mir die Welt“ von Alin Coen erscheint auf Pflanz einen Baum.




