The Pineapple Thief werden gern in die Progressive-Rock-Schublade abgelegt, doch die klemmt. Bruce Soord (Vocals, Gitarre), Jon Sykes (Bass), Steve Kitch (Keyboards) und Gavin Harrison (Drums) leben sich zwar auch mal auf bis zu gut sieben Minuten aus, doch sie vermeiden es, ihre Kompositionen zu überladen. „New World Order“ kommt mit den Laut/Leise-Wechseln und der stellenweise verzerrten Stimme dem Prog-Rock noch am nächsten, besticht aber mit einem ohrwurmigen Refrain.
„Hold The Ashes“ rockt recht gradlinig, entzündet jedoch einiges Gitarrenfeuerwerk. Und hier findet sich auch der Titel der LP: „So take these ashes / You need to take these ashes now / Just scatter them far and wide“. Wenn in „God Knows“ die Gitarre zurückgefahren wird und nur Bass und Drums sowie die Stimmen von Soord und Sykes zu hören sind oder bei dem luftigen „Scattering Like Flies“, sind die Schlagzeugkünste von Harrison besonders zu bestaunen. Unvergessen ist sein Wirken bei Porcupine Tree, vor allem aber in dem Drummer-Trio auf der King Crimson-Tour vor einer Dekade. Grandios sind seine polyrhythmischen Überlagerungen und metrischen Verschiebungen, die ihn in die Nähe des Jazz rücken.
Die wundervolle Ballade „Still Living“ bietet hingegen den Raum für gefühlvolle, schwebende Gitarrenakkorde. So auch in „This Empty Space“, wenn sich die E-Gitarre über die akustische erhebt. Dazu bewegt sich Soords Stimme gern zwischen einer hellen mittleren Lage und dem Falsett. Das Album schließt mit dem elegischen Stück „No Expectations“. Bei The Pineapple Thief darf man sogar große Erwartungen bei Neuveröffentlichungen hegen. „Far And Wide“ erfüllt diese locker.
„Far And Wide“ von The Pineapple Thief erscheint auf InsideOutMusic/Sony Music.




