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„Beneath The Blaze Of The Burning Sun“ ist das zweite Album des irischen „Goth-Country“-Ensembles The Southern Fold aus Kilkenny. Dass es sich dabei um ein irisches Ensemble handelt, das von Frontmann und Songwriter Emlyn Holden 2014 ins Leben gerufen wurde, weil er „mal was anderes“ machen wollte als die Rockmusik, mit der er sich bislang beschäftigt hatte, ist deswegen von Bedeutung, weil es hier keineswegs Irish Folk oder irischen Gitarrenrock zu hören gibt, sondern einen soliden Mix aus (Alt-)Country, Blues, Folk, Gospel und Americana-Rock. Woran das liegt, erklärt uns Emlyn Holden anlässlich der physischen Veröffentlichung des Albums auf Vinyl und CD dieser Tage.
Eine der Sachen, die Emlyn reizten, es in einem countryesken, folkigen Americana-Setting zu versuchen, war der Umstand, dass er stets mit einer Sängerin zusammenarbeiten wollte, um das Gram Parsons/Emmylou Harris-Setting emulieren zu können, das er sehr schätzt. Zurzeit übernimmt die charmante Madeleine Leclezio dabei die weibliche Stimme bei The Southern Fold. Nun ist das aber so, dass Emlyn Holden nicht der Typ ist, der dauernd Liebeslieder schreibt. Was tut er denn, um das auszugleichen?
Emlyn: „Auf der neuen Scheibe gibt es ja sogar Liebeslieder – was sehr ungewöhnlich ist. Ich setze mich nie hin, um eine bestimmte Art von Song zu schreiben, da ich immer nach dem Stream-of-Consciousness-Prinzip arbeite. Ich setze mich mit der Gitarre hin, und das, was dabei entsteht, ist dann das, was ich bekomme. Für gewöhnlich fange ich mit ein paar Akkorden an, versuche eine Melodie zu finden und singe, was immer mir in den Sinn kommt. Das notiere ich mir dann, komme darauf zurück und arbeite damit weiter. Der Song schreibt sich dann von selbst. Ich greife die Songs aus der Luft, wenn die Luft sie hergeben möchte.“
GL.de: Ja, aber da muss man doch zumindest ein Thema haben, über das man schreiben möchte, oder?
Emlyn: „Manchmal weiß ich ja auch, wovon ein Song handelt. Manchmal kann ich das aber auch erst sagen, wenn der Song fertig ist. Es ist dann vermutlich etwas, was mich im Hinterkopf beschäftigt hatte. Aber ich setze mich niemals hin und sage: Darüber müsste man jetzt mal was schreiben – wie zum Beispiel über den politischen Alltag oder so etwas.“
GL.de: Das würde Emlyn sicher auch niemand vorwerfen. Woher kommt aber die Düsternis in den Songs, die er dann geschrieben hat? Oft geht es da um biblische Grandezza, Blut, Tod, Rache und Verdammnis. Woher kommt also das Faible für die dunkle Seite der Macht?
Emlyn: „Tragödien und Düsternis ziehen mich einfach an. Ich fühlte mich immer zu Menschen hingezogen, die tragische Schicksale erlitten haben – Menschen, die jung gestorben sind. Viele meiner musikalischen Helden sind jung gestorben. Ich tendiere einfach dazu, in diese Richtung zu driften. Die religiösen Verweise und Referenzen kommen einfach daher, dass ich in einem römisch-katholischen Land aufgewachsen bin. Da ist die Religion allgegenwärtig. Ich sehe mich schon als spirituellen Menschen – aber ich bin kein großer Fan organisierter Religionen. Es ist eher die Furcht vor der organisierten Religion, die mich da beflügelt. Schon als Kind fürchtete ich mich vor religiöser Ikonographie – Bildnisse, Statuen und solche Sachen. Das hat mir schon als Kind Albträume beschert, und daher rühren dann vermutlich auch die religiösen Referenzen in meinen Songs.“
GL.de: Ist der Alltags-Emlyn dann vielleicht ein besonders glücklicher Mensch – weil er ja das ganze dunkle Zeug in seiner Musik verarbeiten kann?
Emlyn: „Manchmal. Ich bin da nicht anders als andere. Manchmal ist das Leben wundervoll – manchmal eben nicht. Ein Künstler zu sein, kann ganz schön frustrierend sein, weil man ja nicht immer die Möglichkeit hat, sich auszudrücken, weil man nicht jeden Abend seine Musik spielen kann – auch wenn du es gerne möchtest. Es ist ja nicht einfach, auf Tour zu gehen; es ist finanziell schwierig. Wenn es dann mal möglich ist und die Leute es wertschätzen, wenn du spielst, dann ist das einfach wunderbar.“
GL.de: Wobei ja auch nicht alles düster ist auf der neuen Scheibe. Ein Thema der Scheibe – das zum Beispiel in dem Opener „The Sacred And Saving Light“ zu erkennen ist – scheint nämlich zu sein, dass man nur durch die Dunkelheit ans Licht kommen kann?
Emlyn: „Ja, genau – es gibt immer eine Hoffnung. Es geht um die Existenz, das Leben, all die Emotionen, die damit einhergehen. Von der Geburt über die erste Liebe bis zu der Frage, wie man mit dem Altern umgehen kann. Das Leben kann dem Kind in dir die Unschuld rauben, und dann geht es weiter. Es ist ein nie endender Kreis. Es ist das, was uns Menschen ausmacht.“
GL.de: Dann geht es ja wohl auch um die Akzeptanz dieser Unausweichlichkeit – was dann den stoischen Charakter erklären könnte, mit dem Emlyn seine Songs oft vorträgt.
Emlyn: „Ja, stimmt – man muss das akzeptieren, denn ändern kann man das alles nicht. Ich habe es versucht und kann sagen, dass es nicht funktioniert hat.“
GL.de: Warum macht Emlyn Holden eigentlich Musik?
Emlyn: „Weil ich die Musik liebe. Nein, ehrlich – das ist eine großartige Frage. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich sie beantworten kann. Musik ist etwas, was mich ergriffen hat, seit ich zehn Jahre alt war, und was mich seither nicht mehr losgelassen hat. Es ist meine einzige Passion geworden. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann hat sich das auf einer einzigen Spur in Richtung der Musik bewegt. Musik ist etwas, was mich aufs Tiefste bewegt. Ich glaube, ich brauche die Musik heute als Therapie. Wenn alles schief geht, dann kannst du die Gitarre in die Hand nehmen und dich in eine andere Dimension transportieren lassen. Das ist fast schon magisch.
Es ist schwer zu begreifen. Man kann Musik hören, um durch einen schlechten Tag zu kommen – aber man kann über die Musik auch zu den Orten gelangen, woher sie kommt. Jeder Songwriter wird dir das bestätigen können. Dort kommen die Songs dann her. Es ist fast, als überreiche dir jemand oder etwas die Songs. Ich habe mich immer gefragt, wie so etwas sein kann. Ich hatte gute Freunde, die Musik machten und verstorben sind, und ich möchte gerne daran glauben, dass sie mir etwas aus dem Jenseits übermitteln. Es hat schon etwas Übernatürliches – auch wenn wir jetzt vielleicht ein bisschen zu sehr Hippy Dippy werden. Ich glaube aber an so etwas. Es ist magisch, kommt aber von Herzen und ist so menschlich, wie es nur sein kann.“
GL.de: Musik ist ja auch eine universelle Sprache.
Emlyn: „Ganz genau! Man braucht dann ja auch keine andere Sprache mehr.“
GL.de: Was hat Emlyn denn mittels seiner Musik über sich selbst gelernt?
Emlyn: „Ich kann das jetzt nicht konkret spezifizieren – aber manchmal gibt es eine Erleuchtung, wenn man einen Song geschrieben hat, der einem dann Überraschendes offenbart, auf das man selber gar nicht gekommen wäre. Das ist das, was ich von allen Songs, die ich geschrieben habe, mitnehme – die Frage, woher das alles nur kommen mag – denn ich habe mich ja nie hingesetzt, um darüber nachzudenken. Es ist offensichtlich das Unterbewusstsein, was da steuert. Was aber witzig ist, ist, dass der Emlyn Holden, der sich über meine Musik vermittelt, nicht unbedingt der Emlyn Holden aus dem Alltagsleben ist – sondern der Emlyn Holden aus dem Inneren. Ich unterhalte mich zuweilen mit ihm darüber, wie Gothic und Düster doch mal wieder alles ist – ha ha.“
GL.de: Okay – kommen wir mal zur Musik. Die Musik auf dem neuen Album ist nicht mehr so deutlich Country-orientiert wie das Debüt. Es gibt Cello und Bläser zu hören, es gibt rockigere Passagen, es gibt Blues, Drama und Wüstenrock. Wie wurde das Album denn musikalisch konzipiert?
Emlyn: „Also, einige dieser Songs habe ich schon in der Pandemie angefangen. Zu jener Zeit musste ja viel Folk gemacht werden. Das habe ich dann ja auch viel gehört und mir gedacht: Wenn wir nicht spielen und touren können – vielleicht sollte ich dann eine kleine Folkscheibe machen und diese zu Hause aufnehmen? Einige Sachen hatten also ihren Ursprung in einem Folk-Setting mit mir und der Gitarre. Es war dann unser Bassist Brian McGrath der vorgeschlagen hatte, doch die Band wieder zusammenzutrommeln – und da meinte ich dann, dass ich ja diese Songs hatte und wir uns ja mal anschauen könnten, was wir daraus als Band machen könnten.
Das war der Ursprung der ganzen Sache. Es ging gar nicht darum, dass ich keine Country-Scheibe mehr machen wollte, sondern darum, dass die Folk-Sache damals einfacher zu handhaben war. Du musst bedenken, dass ich ja kein Southern Fold-Album im Sinn hatte, sondern ein Emlyn Holden-Album. Es hat dann nur ganz schön lange gedauert, bis wir die Sachen ausarbeiten und aufnehmen konnten.“
Nachdem die Produktion des Albums sich also lange hingezogen hat, liegt es nun endlich auch in physischer Form vor.
„Beneath The Blaze Of The Burning Sun“ von The Southern Fold ist eine Eigenveröffentlichung.




