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Exzellenter Zimmerservice
Das Theater am Aegi ausverkauft. 1.060 Fans sind der Einladung von Fischer-Z zum 50. Bandjubiläum gefolgt. War Mastermind John Watts nach dem Aus der Urformation noch unter eigenem Namen aufgetreten, ist er schnell wieder zu dem Bandnamen zurückgekehrt. Natürlich hat Watts alias Fischer-Z viele hörenswerte Platten aufgenommen, der Ruhm basiert jedoch auf den ersten drei Alben mit ihrer griffigen Mixtur aus New Wave, Rock, Pop und Reggae. Mit elf Stücken aus den Jahren 1979 bis 1981 blickt Watts in Hannover ausgiebig auf die erfolgreiche Anfangszeit zurück.
Die Reggae-Rhythmen von „Remember Russia“, „Room Service“ oder „Cruise Missiles“ wirken zeitlos, wie leider auch die gesellschaftspolitischen Texte, die in „Missiles“ auf die wachsende Bedrohung durch die damalige und gegenwärtige Aufrüstung verweisen. Viel gefährlicher als ein Atomkrieg seien allerdings KI und Roboter. Ob die wavigen, Keyboard-betriebenen frühen Songs „Pretty Paracetamol“ oder „The Worker“, ob die rockigen Perlen „Battalions Of Strangers“ und „So Long“, ob das stampfende, mit Hall unterlegte „Berlin“ oder die beiden Zugaben „Room Service“ und „Marliese“ – die Oldies erhalten frenetischen Applaus, am Ende Standing Ovations. Zu Recht, weil die Live-Band, mit der Watts auch das aktuelle Album „X-Ray Serenade“ eingespielt hat, knackige Versionen der Fanfavoriten über die Rampe schickt. Dabei haben die Musiker auf der Platte vier von Watts frühen Lieblingsstücken in ein eher folkiges Gewand gesteckt. Das funktioniert zwar gut, zum Jubiläum mag man sie aber gern im Wave-Rock-Kleid.
Bevor Fischer-Z beginnen, kündigt Watts den Support an. Chloe Leigh, die später vor allem hinter dem Keyboard sitzen wird, trägt zur Akustikgitarre Songs vor, die sie für ihr Debütalbum aufgenommen hat. Ihr Singer/Songwriter-Folk streift Country und einmal sogar Flamenco und Fandango. Eine schöne Stimme zudem; man darf gespannt sein, was noch kommt. Bei den Fischer-Z-Stücken, die Watts nach der Keyboard-lastigen Frühphase komponierte, greift Leigh zur Akustikgitarre. Der Folk-Pop in „Marguerite Yourçenar“ über eine Schriftstellerin und die erste Frau, die in der Académie française aufgenommen wurde, erhält mit Oliver Newtons Schlagzeugspiel und David Purdyes Bass zudem einen dezenten Latin-Rhythmus. In der Regel bleiben die Songs angenehm kompakt. Trotzdem willkommen, wenn Marian Menge bei „Well Meaning Ghost“ ein kurzes, aber flammendes E-Gitarren-Solo einstreut. Ebenso willkommen: der Publikumschor zu „Perfect“: „Uh-la-la-la-la, that’s perfect“ geht nach kurzer Einweisung locker über die Lippen, auch a cappella. Natürlich strotzt der Text nur so von Sarkasmus, nichts ist perfekt.
„Suburban Cowboy“, wie „ Perfect“ vom neuen Album, schrieb Watts in einem Hamburger Café, erzählt er. Eigentlich habe er an die Ostsee gewollt, will aber nicht allein fahren. Und so entsteht ein Gedankenstrom, inhaltlich inspiriert durch Stolpersteine im Pflaster und im Songtitel durch Glen Campbells „Rhinestone Cowboy“. Vietnam und Afghanistan kommen ihm in den Sinn, Hörer könnten die Reihe fortsetzen: Ukraine, Gaza, Iran, Jemen… John Watts‘ Solo-Hit „One Voice“ offenbart, dass er mit seinem ersten und einzigen Solo-Hit noch einmal auf die bewährte Reggae-Formel setzte. Auch hier eine politische Botschaft des 71-Jährigen, die so aktuell wie selten zuvor ist: ein Aufruf an die Vernünftigen, mit einer Stimme zu sprechen, um im medialen Meinungswirrwarr Gehör zu finden.
Nach dem Support betrat er zunächst ohne Band die Bühne für das in zwei Sets aufgeteilte Konzert und sang zur Rhythmusgitarre „Caruso“. Mit einem Zwischenstopp, als müsse er sich erst einmal einsingen. Doch die knarzige Charakterstimme, die so tief in den Keller steigen kann, aber ebenso mühelos Höhen erklimmt, ist voll da. In der aktuellen Fischer-Z-Besetzung, die seit den Anfangstagen mehrfach gewechselt hat und nur Watts als Konstante zählt, singen Leigh, Purdye und Menge Background. Die Anfangsverse von „Room Service“ kennt jedoch fast jeder: „Oh dear Rosanna, what shall I do? / I called room service and they sent along you“. Und weiter: „You don’t speak English, I don’t know Chinese / I ordered breakfast for one and you brought me three“. Solche Kommunikationsprobleme mit der Servicekraft gibt es im Theater am Aegi nicht. Der Zimmer- oder besser Saalservice darf mit „exzellent“ bewertet werden.



















