Kenny Little gehörte mit seinem 1984 gegründeten Projekt Hollow Horse mit zur ersten Riege junger schottischer Künstler, die sich von Glasgow aus auf den Weg machten, die Indie-Musik-Szene aufzurollen und mit ihrer Musik die Welt zu erobern. Anders als viele seiner Kollegen (wie etwa Roddy Frame mit Aztec Camera, Alun Woodward und Emma Pollock mit The Delgados, Stuart Murdoch mit Belle & Sebastian oder Justin Currie mit Del Amitri) schaffte es Kenny Little aber nie, sein Projekt zu einem übergreifenden Erfolgsmodell zu machen. Lediglich in Sachen Beharrlichkeit konnte er mit seinen Kollegen von damals Schritt halten und legt nun mit „Five“ das fünfte Hollow Horse-Album vor.
Dass Hollow Horse heutzutage fast schon zu den vergessenen Heroen des schottischen Indie-Rock gehören, hat mehrere Gründe: Während die anderen Glasgower Bands von Anfang an über Veröffentlichungen im Testballon-Stil reüssierten, über die sie allmählich zu ihrem Sound fanden, versuchte Little mit einer ständig wechselnden Besetzung über den Live-Zirkus ins öffentliche Bewusstsein vorzudringen – was aber nicht so recht klappte. Erst 2003 erschien dann das erste Album der Band – und da war es dann auch schon zu spät, sich als eigene Stimme zu etablieren, denn ihren Sound hatten Hollow Horse längst gefunden – und der lag auf einer ganz anderen Zeitschiene als jene der ehemaligen Zeitgenossen. Wie auch das nun vorliegende fünfte Werk demonstriert – orientieren sich Hollow Horse bis heute eher an den musikalischen Tugenden der ausgehenden 70er und angehenden 80er – aber nicht in Sachen Punk, New Wave oder Folk-Rock, sondern eher mit Bezug auf die perfektionistischen Produktionen jener Tage und die Ästhetik des ausklingenden Prog-Rock und des beginnenden Art-Pop.
In diesem Sinne ist „Five“ dann auch ein wenig aus der Zeit gefallen – nicht nur in dem Sinne, dass es keine begleitenden Videos gibt. Produziert wurde die Scheibe von Brian McNeil dem Keyboarder der Band – der lange Jahre mit der englischen Band China Crisis agierte, die ebenfalls als Advokaten des Progrock- und Artpop-Sounds ihrer Zeit galten. Da gilt es dann zu bewundern, wie kunstvoll auf dieser Produktion die verschiedenen musikalischen Elemente – insbesondere die Vocals, Bläsersätze und Keyboard-Passagen – miteinander verwoben und perfekt miteinander in Einklang gebracht werden. Dafür fehlen auf der anderen Seite dann alle Spuren etwaiger Imperfektionen und jenes Gefühl der Lebendigkeit, die die Arbeiten der damaligen Zeitgenossen stets auszeichneten.
Das ist schade, denn so wirkt das alles ziemlich steril und berührt emotional nur selten. Auch in solchen Fällen gilt dann: Perfektion ist nicht gut genug, wenn es um Musik geht. Und so sei dann auch die Frage erlaubt, wer sich im Jahre 2025 für eine Musik interessieren soll, die ihren Ursprung erkennbar vor 40 Jahren hatte – und sich in dieser Zeit nicht erkennbar weiterentwickelt hat?
„Five“ von Hollow Horse erscheint auf Platiruma.
