Ganz schön verrückt ist das, was die norwegische Indie-Pop-Künstlerin Bellefolie auf ihrem Debüt-Album veranstaltet. Nicht nur in Bezug auf ihren Projektnamen – denn „Bellefolie“ und der LP-Titel „Beautiful Madness“ bedeutet ja nichts anderes als „Schöne Verrücktheit“ auf Französisch und Englisch (den beiden Sprachen, in denen sich die Künstlerin ausdrückt) – sondern auch in stilistischer und musikalischer Hinsicht. Bellefolie – die im richtigen Leben Isabell heißt, aus Bergen stammt und länger in Paris gelebt hat – verfügt nämlich über ein breit gefächertes Angebot musikalischer Optionen, welches sie eifrig nutzt, um bilingual verschiedenste musikalische Szenerien zu entwerfen.
Kurz gesagt, macht Bellefolie zeitgemäße organische Pop-Musik, mit der sie die Hörer auf eine stilistische, emotionale und atmosphärische Reise nimmt. Natürlich bedeutet das in Zeiten wie den unsrigen nicht soviel, deswegen muss man da schon ein wenig diversifizieren. Zunächst ein Mal überrascht Bellefolie mit den drei überwältigenden Big-Beat-Dreampop-Hymnen „Modern Apathy“, „Your Gates“ und „In The Clouds“, die – sagen wir mal – Lana Del Rey, Lorde oder die Taylor Swift der „Ophelia“-Phase – auch nicht besser hinbekommen hätten. (Tatsächlich sind die Bellefolie-Songs sogar besser.)
Danach wird es etwas experimenteller. „Tiny Lullaby“ und „La Nuit Blanche“ sind sparsam arrangierte Fingerübung in Sachen frankophiler Retro-Psychedelia. Mit dem Single-Track „Gray Area“, sowie „Restless Nights“ und „Out Of Flight“ kommen dann Spielzeug-Hip-Hop-Elemente und R’n’B-Beats dazu – und das erinnert dann eher an das experimentierte Tun der Verwandlungskünstlerinnen CocoRosie (zumal Bellefolie auch gesanglich an dieses Projekt erinnert). Abschließend gibt es dann mit „La Montagne“ noch mal plüschigen Kook Pop und mit dem anschließenden „It’s Time“ eine Hymne, wo alles – Dream-, Kook- und Chamberpop, Hip HopBeats und Psychedelia noch ein Mal in (aufgelöster) Formvollendung zusammen finden.
Wichtig bei alledem ist, dass Bellefolie keine der genannten Referenzen bewusst aufgreift oder zu emulieren sucht. Es ist nur so, dass sie sich von der Vergleichbarkeit mit ihren skandinavischen Pop-Königinnen zugunsten eines breiter aufgestellten Repertoires fernhält und eben keinen eindeutig definierten Stil verfolgt. Und dann noch etwas: In ihren Songs geht es um die Apathie unserer Tage im Angesicht des sich täglich wüster gebärdenden Chaos des schönen Wahnsinns – und wie man damit umgehen könnte, um sich nicht zu verlieren oder davor wegzulaufen. Damit bezieht sie sich auf die Schriften des Philosophen Søren Kierkegaard –und bietet damit einen Mehrwert, der geringeren Kolleginnen, die in Sachen Pop unterwegs sind oft abgeht.
„Beautiful Madness“ von Bellefolie erscheint auf Backseat.




