Platte der Woche KW 05/2026
Dass Carrie und Matt Wagner eine lange Reise und ein unstetes Leben hinter sich hatten, als es daran ging, das gemeinsame dritte Album des Ehepaares unter dem Moniker Silver Liz anzugehen, hört man diesem nun wirklich an. Ursprünglich stammen Carrie und Matt aus Pittsburgh, Pennsylvania, lebten aber auch lange in Chicago, wo Carrie ihr Studium beendete, zogen dann nach Brooklyn, um sich in der dortigen lebendigen Indie Szene zu etablieren – während die Freunde, derentwegen sie dort hingezogen waren, schon wieder auf dem Sprung in andere Gegenden waren. Zur Zeit plant das Ehepaar mit der inzwischen geborenen Tochter Amelia wieder nach Pennsylvania zurückzuziehen – wo auch die Studioaufnahmen für das Album „III“ entstanden.
Dennoch ist das stilistisch vollkommen unberechenbar und immer wieder überraschend zwischen Dream-, Jangle- und Grunge-Pop, Electronica und Psychedelia hin und her mäandernde Werk nicht etwa ein musikalischer Reisebericht geworden, sondern eine Art facettenreicher Bestandsaufnahme der 20er des Paares, die letztlich in Songs wie „23“ oder „Ten Years“ im Patchwork-Verfahren zu einer Sammlung von Erinnerungen verdichtet wurden, die sich in einem Schmetterlingsnetz verfangen haben (wie es ebenso poetisch wie treffend in der aktuellen Bio heißt).
Der Eklektizismus an musikalischen Ideen, Stilen, Fragmenten und Formaten, der sich dem Hörer darbietet, ist dem Umstand der Arbeitsweise des Paares geschuldet. Carrie und Matt schreiben ihre Songs nämlich nicht zusammen, sondern indem sie – jeder für sich – Ideen und Skizzen sammelten, die dann allerdings gemeinsam auf spielerische Art und Weise im Rechner zusammengeführt werden. Carries Voice Memos und Matts musikalische Expertise bilden dabei die gemeinsame Basis, über die die Stücke dann ausgearbeitet wurden. Die beiden bisherigen Silver Liz-Alben „I Can Feel The Weight“ und „It Is Lighter Than You Think“ entstanden noch auf konventionelle Weise – und es ist die Tatsache, dass nun im Rechner alle musikalischen Elemente erst mit einer Unzahl von Filtern behandelt wurden und die später eingespielten Live-Bestandteile wie Gitarren, Bass und Vocals oft am Rande der Übersteuerung entlang lavieren, was das Album „III“ von den bisherigen Arbeiten absetzt und klanglich auszeichnet.
Musikalisch bietet „III“ dann alles, was das Herz eines Indie-Freundes mit Freude erfüllt: Grunge-Sounds, Shoezgaze-Ästhetik, Psychedelia, Club- und E-Pop-Beats, Dreampop galore und filigranen Jangle-Pop. Sogar für hippieskes Folk-Pop-Flair bleibt Raum in dem Track „She Was Popular“. Interessant in diesem Zusammenhang sind die zwei Haupt-Stoßrichtungen: Da ist zunächst Carries mädchenhaft versöhnlicher, melancholischer Dreampop-Gesang auf der aber von Matts zuweilen geradezu brutalen, schmirgelnd/abrasive Rock-Eskapaden nicht etwa erdrückt, sondern eher komplimentiert wird. „III“ ist somit eine Indie-Scheibe, wie sie sein sollte – und eine, die sich angenehm absetzt von Projekten, die verlässlich aber vorhersehbar einem bestimmten Format folgen. Die Messlatte für diese Art von Musik legen Silver Liz gleich am Anfang des Jahres mit dem Album „III“ schon mal ganz schön hoch.
„III“ von Silver Liz erscheint auf Extremely Pure.



