Es ist ja heutzutage fast schon nichts mehr Besonderes, wenn KünstlerInnen aus dem deutschen Sprachraum – wie z.B. die Wienerin Marilies Jagsch – mit jener Art von abwechslungsreichem Indie-Pop reüssieren, mit der ihre international tätigen KollegInnen aus den USA und dem GB-Raum inzwischen in den massentauglichen Mainstream-Bereich vorgedrungen sind. Nun ist das aber so, dass Jagsch, die seit 2023 mit ihrem Bandprojekt seit 2023 unter dem Namen Maiija reüssiert und mit „What If“ nun bereits das zweite Album vorlegt, über einen Erfahrungsschatz verfügen kann, den sie sich in 15 Jahren Präsenz in der Wiener Kulturszene als Solo-Künstlerin unter eigenem Namen und mit der Veröffentlichung von zwei Alben angeeignet hat. Das führte dann dazu, dass „What If“ ganz ohne die klassischen Unsicherheiten des Indie-Pop-Genres auskommt, mit denen insbesondere Newcomer(innen) zu kämpfen haben können, so das das Album besonders rund uns schlüssig daher kommt.
Es ist schon beeindruckend zu beobachten, wie breit Maiija das stilistische Angebot anlegt, das sie unter der Regie des Produzenten Peter Paul Aufreiter mit ihren Musikern und Gästen vor den staunenden Ohren des Zuhörers ausbreitet. Das war zwar auch schon auf dem ersten Maiija-Album „I Am“ so – jedoch ist „What If“ opulenter arrangiert, kommt ohne die elektronischen Bestandteile des Debüts aus und legt in Sachen stilistischer Vielfalt nochmals ordentlich nach.
Die ersten Tracks kommen noch mit einem klassischen Jangle-Pop-Setting aus – spätestens aber mit dem Track „Envision“ kommen dann auch Chamber-, Kook-, Folk- und Dreampop-Elemente hinzu – was unter anderem damit zusammenhängt, dass zu der Maiija-Band der hauptamtliche Cellist Lukas Lauermann gehört, der mit seinen Beiträgen und Arrangements für Drama und Kontext sorgt. Später finden sich dann auch noch Bläser-, Chor- und Psychedelia-Partien hinzu – bis sich am Ende der Scheibe dann erhebende Hymnen wie „Liberate“, „Resist“, „Defy“ und „Reconsider“ finden, die man sich mit solcher Anmut und Grandezza auch erst mal trauen muss (denn viele von Maiijas KollegInnen haben ja oft Probleme mit der Credibility-Frage).
Nutzte Maiija „I Am“ noch als eine Art musikalischer Visitenkarte, so weitet sie den Blickwinkel auf „What If“ vom Persönlichen aufs Universelle aus und beleuchtet weniger die eigenen Unzulänglichkeiten, sondern lotet eher die Möglichkeiten des Menschseins aus – ohne dabei die fast morbide Melancholia des Debütalbums aufzugeben, die sie aber mit teils kämpferischer Note unterlegt. Ohne Frage ist „What If“ ein großer Wurf einer Künstlerin, die ihren kreativen Weg nun gefunden zu haben scheint.
„What If“ von Maija erscheint auf Noise Appeal Records/Sony.




