Zugegebenermaßen hat der schrullige Querdenker Will Oldham immer schon Songs in der Art geschrieben, wie er sie auch auf seinem neuen Album „We Are Together Again“ versammelt hat – nur tut er das heute aus der Position des versierten Veteranen und lässt seine ganze Kunst in seine wunderlichen songwriterische und poetische Kleinode einfließe. Diese zeigen einen auch im gesetzten Alter immer noch neugierigen Schrat, der staunend und in gewisser Weise mit kindlicher Neugier durch eine sich immer stärker und schneller verändernde Welt taumelt; bemüht, die Zusammenhänge zu verstehen, und nach Möglichkeiten suchend, sich mit dieser Welt dann irgendwie zu arrangieren.
Auf dem neuen Werk denkt Oldham viel über den Zustand des Mensch-Seins nach und sucht und findet sein Heil in den kleinen Details, Augenblicken, Momenten und Erinnerung, die in der Summe die Vielfalt des Daseins ausmachen – und demzufolge unempfindlich sind gegen die ansonsten sich aufdrängenden Veränderungen. Oft greift Oldham hier auf Bilder aus der Mythologie zurück, singt von Löwen, Lamas und Pferden oder Freunden wie Joe, die jeder irgendwo hat und die einem durch schwere Zeiten von Bedrängnis und Paranoia helfen (wie er sie etwa in der lyrischen Moritat „They Are Trying To Find You“ markiert“). Dabei bedient sich der Meister seiner gewohnt kreativen poetischen Wortwahl. Bei Oldham wird halt gerendert (to render), geschrubbt (to scour) und verstümmelt (to mangle) was das Zeug hält. Cool und hip kann ja jeder.
Das Interessante an dieser Scheibe ist dass Oldham mit diesem Album erneut seine alte Heimat Louisville, Kentucky, zum Zentrum machte, von der aus er in den 90ern mit den Palace Brothers dereinst seine wunderliche Karriere startete. Letztlich erklärt das dann auch den Titel des Albums, denn hier versammelte Oldham eine illustre Schar von Begleitern, die hier nach längerer Zeit wieder zusammen kommen. Neben seinen Tour-Mates Jacob Duncan und Thomas Deakin (beides auch Koryphäen in Sachen Blasinstrumenten) lud er nämlich zahlreiche Musiker aus der Lousville-Communtiy ein, sich an den Aufnahmen zu beteiligten. Das waren dann beispielsweise sein Bruder Ned, der schon bei den Palace Brothers den Bass spielte und Oldhams Cousin Ryder McNair, der die Streicherarrangents beisteuerte, die Harfenistin Erin Hill – aber auch Catherine Irwin (Freakwater) sowie Lacey Guthrie, Tory Fisher und Katie Peabody von dem Projekt Duchess verliehen mit ihren Gesangsbeiträgen dem Projekt jenen kollaborativen Charakter, der Oldhams „Homespun Country Bombast“ (wie es die Bio nennt) jenes warmherzige Flair verleiht, das die Sache so heimelig macht.
Eines sollte indes noch erwähnt werden: Mit Country-Sounds hat Oldham eigentlich schon lange nichts mehr am Hut. Auch auf dem neuen Album präsentiert er sich als Meister des pastoral/orchestralen Americana-Folk, den er sich über seine zahlreichen Kollaborationen mit europäischen Musikern im Laufe der Zeit angeeignet hat.
„We Are Together Again“ von Bonnie „Prince“ Billy erscheint auf Domino Records.




