Platte der Woche KW 10/2026
Wir haben ja schon öfter darauf hingewiesen, dass das schwedische Quartett Hater seinen Projektnamen wohl nicht eben mit Bedacht gewählt hat. Denn auch auf dem Album #4 gibt es eigentlich keinerlei wütende oder aggressive Töne zu entdecken – obwohl die Band um die charismatische Sängerin Caroline Landahl die Jahre, die seit der Veröffentlichung ihres dritten Albums „Sincere“ (2022) vergangen sind, dazu genutzt hat, sich in Sachen Komposition und Produktion mächtig weiterzubilden und dabei dann durchaus auch druckvolle Rocksongs entstanden.
Im Wesentlichen spielen Hater auch auf diesem Album die gesamte Klaviatur des Indie-Pop – vom Grunge-Rock über Psychedelia und Shoegaze bis hin zum perfekt ausgezirkelten Dream-Pop-Drama – wie sie das bislang eigentlich auch schon gemacht haben; tun das aber dieses Mal mit einem besonderen Augenmerk auf Abwechslung und songwriterisches Detail. Gleich der Opener „Landslide“ überzeugt als solider, ambitioniert strukturierter Rock-Song mit interessanten strukturellen und harmonischen Wendungen. Die totale Antithese dazu ist die darauffolgende Dreampop-Ballade „Angel Cupid“. Auf die dann der vielleicht interessanteste Track des Albums „This Guy“ folgt, den Hater selbst als „verwirrend“ bezeichnen. Dieser gefällt dann auch nicht wegen seines mystisch codierten Textsalates und nicht einmal wegen der anheimelnden Melodie, sondern weil der ganze Song um einen mitreißenden, pulsierenden, von Cure-Gitarren umwebten Bass-Lauf herum angerichtet ist – und von einem zu Herzen gehenden Gitarrensturm gekrönt wird. Das ist auch deswegen interessant, weil der Bassist Adam Agace, der die Band zeitweilig verlassen hatte, für dieses Projekt wieder zurückkehrte – und sich hier offensichtlich prägend austoben konnte.
So geht das munter weiter – mal etwas poppiger („Stung Again“) mal etwas chilliger („Mosquito“), mal in Richtung Shoegaze aufgebohrt („Brighter“), mal in Richtung Schrammelpop („Still Thinking Of You“) und mal in Richtung Kaputnik/Feedback-Rock („Stinger“) und im Falle des vorletzten Tracks „Sad Eyes“ sogar als hippiesker Akustik-Track ausformuliert. Es sind aber nicht allein die vielen unterschiedlichen Stilistiken, die Hater hier referenzieren, die aufhorchen lassen, sondern vor allen Dingen die songwriterische Übersicht, mit der die Band zu Werke geht – nie um ungewöhnliche Ideen verlegen, niemals mit dem erstbesten Einfall zufrieden und immer mit einer kleinen Überraschung in der Hinterhand. Dass Hater es sich dabei leisten können, die perfekt ausbalancierte Power-Pop-Ballade „Last Summer I’ll Spill“ als einen der stärksten Tracks ans Ende der Scheibe zu setzen, spricht dann für sich – denn „Mosquito“ ist ein „All Killer – No Filler“-Album ohne jedwede Schwachstellen geworden. Neu ist das dabei alles nicht – aber gerade weil Hater ihre Sache so gut machen und somit ein gewisses Gefühl der Nostalgie evozieren, lässt das Album für Freunde dieser Art von Indie-Pop keine Wünsche offen.
„Mosquito“ von Hater erscheint auf Fire Records/Cargo.



