Auch Bands wie The Sophs gibt es also noch – wenn auch nicht mehr so häufig wie in jener Zeit der 90er in der jene Art von im besten Sinne verquasten Drama-Art-Rock, den das Sextett aus L.A. auf ihrem Debüt-Album zelebriert (und auf subtile Art in die Gegenwart überführt) aus praktisch allen Boxen klangen. Davon waren sogar Geoff Travis und Jeanette Lee vom legendären Rough Trade Label überrascht, als die Jungs, die quasi auf dem Nichts auftauchten (wie Travis erklärt) sich mit einem Demo an das Label wandten und nahmen Frontmann Ethan Roman und seine Mannen sogleich unter Vertrag.
Das Debüt-Album „Goldstar“ bietet von den ersten Tönen der als Akustik-Walzer beginnenden, aber von haushohen, dramatischen Power-Chords auf der einen Seite und verspielten Piano-Sprengseln auf der anderen durchzogenen Moritat vom Hund, der am Ende ins Gras beißt bis hin zum letzten Akkord der hysterischen Punk-Polka-Nummer „I’m Your Fiend“ (nicht etwa „Friend“), die das Album in College-Rock-Manier beschließt so ziemlich alles, was das Herz in Sachen „Ausloten der Extreme“ begeistern könnte.
Dazwischen gibt es – und das erwartet man nach dieser Einleitung ja geradezu schon – keinen einzigen Track auf dem Album, der geradlinig von A bis Z auf den Punkt käme. Die Sophs sind eine der wenigen Acts, die sich nicht nur einen hauseigenen Keyboarder leisten, sondern mit Austin Parker Jones einen elektrischen und Seth Smades einen akustischen Gitarristen, die sich gleichberechtigt vom Einsatz her bestens komplimentieren. Dabei machen die Herren aus diesen klanglichen Gegensätzen das Beste und arbeiten mit den sich bietenden Möglichkeiten an einem Potpourri der Extreme ab. Beispielsweise indem dann Folk-, Swing- oder gar Jazz-Pop und brachialer Indie-Rock, Power-Pop, Prog oder theatralischer Drama-Punk aufeinander treffen – dann aber gemeinsam marschieren.
„Wir versuchen nie so vielseitig zu sein, wie wir am Ende klingen“, meint Ramon – und versucht erst gar nicht, die Mechanismen zu erklären, nach denen die Sophs auf ganz natürliche Weise zu funktionieren scheinen. „Laufen lassen“ und „nicht drüber nachdenken“ sind dabei wohl die Maximen, nach denen die Jungs arbeiten. Wie sonst wohl sollte die Maultrommel in dem mit Queen-Gitarren augmentierten Country-Hoedown Rausschmeißer „Sweetpie“ zu erklären sein?
Dass Ramon selbst dabei etwas vom nörglerischen Charme eines Conor Oberst gesanglich vor sich herträgt, kommt sicher nicht von ungefähr, denn wie bei den Bright Eyes überwiegt bei den Sophs die spielerische Freude am Tun und nicht etwa stilistische Regelwerke. Die Krönung dieser Denkweise ist der Track „A Sympathetic Person“, die als Rezitativ beginnt und sich zu einer vaudevilleartigen Rock-Operette aufbauscht, in der sich Ramon über eine Schlange unter seinem Kinn beschwert, die sein Leben zu bestimmen sucht. Kurzum: Wer sich für herausfordernden, inspirierenden, zeitlosen Drama-Rock interessiert, der ist bei den Sophs an der richtigen Adresse.
„Goldstar“ von The Sophs erscheint auf Rough Trade Records/Beggars Group/Indigo.




