Uncle Tupelo war die Band, die die „No Depression“-Bewegung begründete, benannt nach ihrem ersten Album. Mit den drei folgenden Platten waren sie aber die Vorreiter des Alternative Country, die sich auf die Americana-Urväter von The Byrds und vor allem The Band bezogen und die Stilrichtung in den frühen 1990ern wieder populär machten. Bereits 1994 lösten sich Uncle Tupelo auf, weil Jay Farrar sein eigenes Ding verfolgen wollte, während Jeff Tweedy, der andere Mastermind der Gruppe, mit Wilco bald über den Americana-Horizont hinausblickte und zum Kritikerliebling wurde. Farrar gründete Son Volt und veröffentlicht inzwischen mit „Sound Signal Serenades“ seinen zwölften Tonträger mit der Band. Die ersten drei Alben erschienen noch bei Warner, die Verkaufszahlen reichten dem Major-Label nicht, so dass die Zusammenarbeit beendet wurde. Nach allerlei Soloaktivitäten reformierte Farrar Son Volt nach siebenjähriger Pause mit komplett neuem Line-Up. Seitdem fliegt die Indie-Band eher unter dem Radar, darf sich einer Fangemeinde aber sicher sein, die die Folk-, Country- und Roots-Rock-Lieder lieben, geprägt vor allem durch Jarrars sonore Stimme mit dem leichten Quengel-Faktor wie in der Single-Auskopplung, dem „Serenade Song“, der wie die Jayhawks mit Gewichtsweste klingt, also typisches Son Volt-Terrain.
Zuletzt hatten Son Volt sich der Songs von Doug Sahm gewidmet, der mit dem Sir Douglas Quintet den Hit „Mendocino“ verzeichnete, den Michael Holm hierzulande in einer deutschen Version zum Schlager umwandelte. „Sound Signal Serenades“ ist eine Rückkehr zum Gewohnten und damit zu durchweg eigenen Kompositionen. Die zwölf Stücke zuckeln angenehm durch die Musiklandschaft, zeugen von einem lebensweisen Barden, der in recht düsteren Zeiten seinen Optimismus nicht verloren hat und seinen Platz auf dieser Welt immer wieder neu definiert. Meist im Midtempo kosten die Songs die Zutaten eines Americana-Gerichts voll aus. Hier eine Orgel, dort eine Steel-Guitar, gern ein paar Rock-Riffs.
„New Low-Down“ fasst sich bei unter drei Minuten so kurz wie frühere Singles, zieht das Tempo etwas an und hat ein bisschen was von Heimorgel. Launig. Durch den Countrysong „This Mess Of A World“ torkelt Farrar mit gesanglicher Schlagseite. Auch „Guardian Angel“ bleibt im Country-Genre. Und wenn die Welt im Chaos zu versinken droht, hofft Farrar darauf, dass sich die Fahrstuhltür öffnet und ein Schutzengel hinaustritt. Ob das was wird? Der Liederreigen endet mit dem lakonischen „New Born Soul“. Bei einer hübschen Klaviermelodie kommt der 59-Jährige zu dem Schluss, sich von blindem Vertrauen und einigen Träumen verabschieden zu müssen, denn er habe, so Farrar an Gott gerichtet, stets danach gestrebt, eine „neugeborene Seele“ zu sein. Je öfter man diese Stücke hört, desto mehr wachsen sie ans Herz. Lieder, die schnell zu Freunden werden, die man regelmäßig treffen möchte.
„Sound Signal Serenades“ von Son Volt erscheint auf Transmit Sound/Thirty Tigers/Open.




