Manche Bemusterungen machen einfach den direkten Kurzaustausch mit dem Künstler unumgänglich, in diesem Falle mit Alexander Dowerk (AD).
Warum „ZweiTon“?
AD: ZweiTon entstand ursprünglich als Duo zwischen Alexis Paulus und mir. Nachdem wir projekt- und distanztechnisch andere Wege gegangen sind, habe ich den Namen beibehalten.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Markus Reuter und Adrian Benavides (Produktion, Mix)?
AD: Markus kenne ich schon seit ca. acht Jahren, ich bin über die Touch-Gitarre mit ihm in Kontakt gekommen und wir sind über die Zeit Freunde geworden. Ich schätze seinen Input sehr, und er hat mir Adrian als Mixing Engineer empfohlen. Daraus entstanden auch meine Gastaufritte auf Adrians Soloalbum „Specimen 13“ und auf der hoffentlich bald erscheinenden Troy Jones-Platte zustande.
Gab es zu keinem Zeitpunkt die Idee, Adrian auch etwas singen zu lassen?
AD: Nein, es gab allerdings die Überlegung, Carolin Langner (eine langjährige Projektpartnerin von mir (u.a. Erna’s War) über den Song „9 Days of Tripping“ singen zu lassen. Letztendlich haben wir es doch beim instrumentalen gelassen, der Song hätte sich sonst zu stark vom Restalbum abgehoben. Zur Zeit schreibe neue ZweiTon-Stücke, diese werden deutschen Gesang von mir erhalten.
Was nur mag das als Einfluss in eurem Promo Sheet genannte „IDM“? sein?
AD (lacht): IDM steht für Intelligent Dance Music. Als Einflüsse bei Form sehe ich da Squarepusher, Aphex Twin und Autechre.
Wie kommt es, dass ihr das 2011 erschienene Album erst jetzt promoted?
AD: Oh, das muss ein Editionsfehler sein. Das Album ist erst seit 2012 verfügbar. Allerdings war das Booklet schon 2011 fertig und da ist das wohl stehen geblieben.
Was – in einem Satz – ist das Besondere an der Touch-Gitarre?
AD: Sie deckt das Tonspektrum von Bass und Gitarre ab und unterstützt sowohl den Touch-Stil („Tapping“), wie auch Zupfen, Schlagen oder Slappen.
Und was kommt bei all dem heraus? „A Collection Of Great Dance Songs“, möchte man kalauern. Das geht von sphärisch-majestätischen Soundscapes wie „Sand“, über die Elektronika vom „Triebwerk“ (melodisch simpel und beängstigend, aber ein rhythmischer Genuss, späten King Crimson nicht unähnlich) bis hin zu „9 Days Of Tripping“ (elektronischer Ambient TripProg – so als würde das aktuelle Ulver-Rudel mit Chroma Key und Trey Gunn jammen). Auf dem ruhigen „Eis“ glänzt durch die Viola etwas Sonnenwärme. Die einleitenden, sanften Sounds auf „Fehlfunktion“ dürften zwar von der Gitarre herrühren, könnten vom Klang her aber auch von Gary Burton stammen – doch wenige Takte später bricht das Progdämonium los…
Die Schlagzeug- und Percussion-Parts hat ungemein differenziert Alexis Paulus gespielt (+ „Electronics, Programming, Co-Compositon), der ein zweiter Marco Minnemann zu sein scheint. Weitere Beiträge gibt es von Andreas Sanz Vela (viola), Udo Dzierzanowski (akust. guit) und Roland Vanecek (tuba), alles andere hat Alex auf der U8 eingespielt – und zwar blendend. Prädikat: Formvollendet.
„Form“ von ZweiTon erscheint auf Unsung/Galileo.