Vorsicht Schreie! Auf dem sechsten Album ihrer Erfolgsband Florence + The Machine kennt Florence Welch keine Zurückhaltung: Durchschlagskräftig und selbstironisch setzt sich die Britin in diesen zwölf neuen, von The Nationals Aaron Dessner produzierten Songs mit den Zwängen und Widersprüchen des Ruhms auseinander.
Beim das Album eröffnenden Titelstück fällt sie gewissermaßen gleich mit der Tür ins Haus und sorgt dafür, dass das Publikum ob dieser mitreißend kathartischen Nummer praktisch vom ersten Ton an den Atem anhält. Nicht weniger aufwühlend ist gleich anschließend das sechseinhalbminütige „One Of The Greats“, in dem Welch nicht zuletzt auch die Notoperation nach ihrer Eileiterschwangerschaft verarbeitet, die sie 2023 mitten auf der „Fever Dance“-Tournee fast das Leben gekostet hätte.
Auch bei den folgenden Liedern thematisiert sie persönliche Traumata mit ungefilterten Ausbrüchen und landet damit irgendwo zwischen Kate Bush, Siouxsie Sioux und Sharon Van Etten. Mal, wie bei „Perfume And Milk“, braucht sie dafür anfangs kaum mehr als eine Akustikgitarre als Begleitung, nur um am Ende doch im Wall of Sound eines kompletten Orchesters zu schwelgen.
Auch bei „Witch Dance“ verschwimmen die Grenzen von Art-Pop, Indierock und Barock-Pop, wenn Welch zwischen Theatralik und Mystik ihr eigenes Ding macht. Das alles lässt „Everybody Scream“ zur wohl tiefgründigsten, persönlichsten und emotional bewegendsten Platte von Florence + The Machine werden.
„Everybody Scream“ von Florence + The Machine erscheint auf Polydor/Universal.




