Nur um es mal erwähnt zu haben: Nick & June agieren auf dem nun vorliegenden Album „New Year’s Face“ weniger folky als Ocie Elliott, poppiger als Oh Wonder, nicht so blasiert wie Angus & Julia Stone, ähnlich einfallsreich wie Wolf & Moon und vielseitig wie Lost In Lona. Warum das von Belang ist: Bei den genannten Künstlern handelt es sich um Female/Male (Indie)-Pop-Duo Projekte, bei denen die beiden GesangspartnerInnen in einer bestimmten familiären Beziehung stehen – bzw. im Falle von Nick & June standen. Denn die Aufnahme-Sessions zu dem neuen Werk fanden erst statt, als die private Beziehung von Nick Wolf und Suzie-Lou „June“ Kraft eigentlich bereits in die Brüche gegangen war. Das ursprünglich mal in Nürnberg beheimatete Duo entschloss sich dann aber dazu, das Thema zumindest musikalisch noch ein Mal aufzugreifen und begab sich zu diesem Zweck nach Bridgeport, Connecticut, wo im Studio des Grammy prämierten Produzenten Peter Katis eine Songsammlung in Art eines musikalischen Nachrufs auf die erwähnte Beziehung entstand.
Unterstützt wurden Nick & June bei den sich an die Songwriting Sessions anschließenden Aufnahmen dann schließlich von Thomas Bartlett und dessen The National-Kollegen Kyle Resnick und Ben Lanz, der spanischen Drama-Pop-Queen Russian Red, Arrangeur Owen Pallett und The Antlers (Pete Silberman & Michael Lerner), die Nick & June schon lange als Inspirationsquelle verehrt hatten.
Zumindest musikalisch – aber eigentlich auch inhaltlich – scheint das ungewöhnliche Prozedere Nick Wolf und Suzie-Lou Kraft geradezu beflügelt zu haben, so dass das Ergebnis keinesfalls wie ein Abschiedsalbum klingt (wie es zu vermuten gestanden hätte), sondern tatsächlich eher wie ein Neuanfang. In der Tat haben Nick & June vor, mit dem Material im nächsten Jahr dann auch auf Tour zu gehen. Die ist dann zwar als Abschiedstour konzipiert – aber wollen wir mal sehen, wie sich das entwickelt.
Der musikalische Ideenreichtum, der auf „New Year’s Face“ zum Vorschein kommt, ist jedenfalls beachtlich. Trotz des grundsätzlich melancholischen Charakters kommen die meisten Tracks stets auch mit einer feierlichen, hoffnungsvollen Note daher – wie beispielsweise in dem Track „Trouble“. Hier wird in den Strophen nachdenklich resümiert, in der Bridge (die dann zum Ende hin nochmal instrumental von der Bläser-Fraktion aufgegriffen wird) dann aber irgendwie feierlich und hoffnungsvoll in die Zukunft geschaut. Für weitere musikalische Akzente tragen dann die Kollaborationen Sorge.
Die beiden mit den Antlers ausgearbeiteten Stücke „2017“ und „Pinker Moon“ kommen als Fingerübungen in Sachen transparenter Psychedelia daher, die als Duett mit Russian Red ausgeführte Song „The Boy With The Jealous Eyes“ ausgeführte Retro-Pop-Nummer erinnert musikalisch an die Anfänge der Cowboy Junkies und die von Owen Pallett arrangierte, abschließende Ballade „Husband & Wife“ (die übrigens nicht der eigenen Erinnerung, sondern den verstorbenen Großeltern gewidmet ist), erscheint gar wie eine plüschige, bittersüße Pop-Operette mit einem orgiastischen Finale.
Das Stück, mit dem sich Nick & June aber musikalisch am weitesten von den Folk-Roots lösen, die gerade die älteren Alben vor der „Comeback EP“ von 2023 auszeichneten, ist eine hübsche Dreampop-Nummer mit dem malerischen Titel „You Are The Voice That’s Hurting My Soul For A Show“, bei der Nick & June auch freigiebig mit elektronischen Elementen hantieren. Freilich: Die Tradition die Vocals eher im Whisper-Modus vorzutragen haben sie beibehalten – und sind sich in dieser Hinsicht dann auch treu geblieben. Es wäre zu schade, wenn das nun tatsächlich das letzte Album von Nick & June sein sollte.
„New Year’s Face“ von Nick & June ist eine Eigenveröffentlichung.




