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Neu und ambitioniert. Der kürzlich gegründete Verein Talsounds macht es sich ab sofort zur Aufgabe, stilvolle Indie-Sounds aus dem In- und Ausland auch nach Wuppertal zu bringen. Mit dem Loch hat man dafür auch gleich die perfekte Location gefunden. Nach der gelungenen Premiere mit Suzan Köcher’s Suprafon im November ging es kurz vor Weihnachten mit Attic Ocean im vollen Saal in die nächste Runde.
Als Attic Ocean im vergangenen Frühjahr mit Ride auf Tour waren, dachten nicht wenige im Publikum zunächst, die altgedienten britischen Shoegaze-Helden hätten eine Newcomerband aus ihrer Heimat eingeladen – doch weit gefehlt. Attic Ocean stammen aus Düsseldorf, klingen aber nicht so. Wenn überhaupt, kann man an den Outfits und den etwas zu anbiedernden Ansagen erkennen, dass es sich hier um eine deutsche Band handelt.
Musikalisch, das wird bereits nach wenigen Tönen des Openers „Could It Be You?“ deutlich, sind Hanni, Niels, Philip, Lukas und Camila durchaus auf Augenhöhe mit ihren offensichtlichen Vorbildern aus Großbritannien, wenn sie den Geist des Dream-Pop, Shoegaze und Post-Punk in die Gegenwart tragen.
Beim heimlichen Superhit „Young Again“ treibt das Schlagzeug und grummelt der Bass, sodass man sich in dieser willkommen rauen Liveversion fast ein wenig an The Cure erinnert fühlen könnte. Bei „Lilies & Sea“ hingegen schimmern und glänzen die effektbeladenen Gitarren verträumt, während die Stimme von Sängerin Hanni dem Song eine ätherische Note à la Lush verleiht.
Doch auch wenn die Vergangenheit zweifellos ein wichtiger Quell der Inspiration für Attic Ocean ist, schaut das Quintett doch nach vorn. Von der inzwischen vergriffenen Debüt-EP „The Heavy Blue And Then After“ steht kein einziger Song auf der Elf-Song-Selist. Dafür sind darauf neben der kompletten aktuellen „Retriever“-EP auch gleich noch eine Handvoll verheißungsvoller neuer Songs zu finden.
Der ungewöhnlichste davon ist „Love Spells“, die erste echte Ballade der Band. Das zeigt, dass Attic Ocean durchaus Ambitionen haben, aus dem Schatten der Giganten, die sie inspirieren, herauszutreten.
Am Ende ist das Wuppertaler Publikum so begeistert, dass sogar eine ungeplante Zugabe hermuss. Wenn man Hannis Worten glaubt, war es sogar die allererste, die Attic Ocean jemals gespielt haben – oder anders gesagt: Es war nicht nur für die Menschen vor der Bühne ein ganz besonderer Konzertabend!














