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Die Band – und nicht der Hund
Yasmine Shelton und Sam Clark – die ihr Projekt Basset genannt haben und Tote-Bags mit der Aufschrift „The Band – Not The Dog“ im Angebot haben, um Missverständnisse auszuschließen – kommen aus Toronto und absolvieren zurzeit ihre erste Europa-Tour, im Rahmen derer sie eben auch in Duisburg zu einem Hauskonzert gastierten. Hier präsentierten sie dann die Songs ihrer Debüt-LP „In The Clay“ und EP-Titel – abgerundet mit einigen schönen Coverversionen (Gillian Welchs „Miss Ohio“ und „Roll Away“ von Martin Green / Anaïs Mitchell) und einigen neuen Tracks, die für das kommende, zweite Album angedacht sind.
Eigentlich wäre es ja für einen kanadischen Act logisch gewesen, zunächst in den USA auf Tour zu gehen, anstatt sich die logistischen und bürokratischen Mühe einer interkontinentalen Konzertreise aufzubürden, erklärte Sam Clark eingangs der Show – aber momentan sei halt die Lage in den USA so unsicher und problematisch, dass man lieber darauf verzichtet habe. Und so kamen dann die Zuschauer in Duisburg in den Genuss eines exquisiten Showcases des kanadischen Folk-Duos aus der lebendigen Musiker-Community von Toronto.
Der Begriff „Folk“ bezieht sich in dem Fall übrigens darauf, dass Basset sich als akustisches Duo präsentierten, denn musikalisch bietet das Ehepaar doch so einiges, was über den reinen Folk-Ansatz hinausgeht. Das erklärten die Protagonisten dann auch zwischen den Songs. So räumte etwa Yasmine ein, dass sie zur Americana-Musik erst über den Soundtrack des Films „O Brother, Where Art Thou?“ gekommen sei, weil sie einen Crush auf George Clooney gehabt habe – bis sie dann ernüchtert feststellen müssen, dass Clooney in dem Film gar nicht selber gesungen hatte.
Sam Clark erklärte dann die Inspirationsquellen hinter den Songs – die aus verschiedensten Bereichen stammen können. Beispielsweise handelt der Song „Amsterdam“ von Göttern, ist „Vincent“ eine dem holländischen Ohrabschneider gewidmete Analogie über die künstlerische Muse und „Tamlin“ eine klassische Mörderballade nordamerikanischer Prägung. „Habt ihr hier auch Mörderballaden?“, fragte Sam, „und ertrinken die Leute da eigentlich auch immer?“
Der EP-Titel „Oh Death“ ist dann eher eine spirituelle Unterhaltung mit dem personifizierten Tod, während sich „Ulysses“ auf die Odysseus-Mythologie bezieht (oder vielleicht doch auf James Joyce?). Will meinen: Obwohl Yasmine und Sam Clark recht bodenständig sind (Yasmine verdient sich beispielsweise Geld als Dogwalkerin hinzu und Sam als Handwerker), verfügen sie über ein breit gefächertes Repertoire poetischer, philosophischer und kultureller Referenzen, das über den klassischen Storyteller-Ansatz des typischen Folksongs hinausgeht. Yasmine erwähnte noch, dass sie als Kanadier zwar in der glücklichen Situation seien, vom Staat gefördert zu werden – dafür aber ihr Songwriting in Bezug auf das kulturelle Erbe des Landes ausrichten müssten; was ja aber auch ganz interessant sein kann.
Wie anfangs ihre bei uns ja immens erfolgreichen Landsleute Sierra Lundy & Jon Middleton (die mit ihrem Projekt Ocie Elliot ja mittlerweile selbst größere Hallen füllen) kamen, Basset bei der Show in Duisburg alleine mit Gitarre und zwei Stimmen zurecht – und schafften es dennoch, ein musikalisch tatsächlich recht abwechslungsreiches Konzert hinzubekommen. Nicht dass sie hierbei stilistisch über die Stränge schlugen – aber indem sie zwischen Folk, Blues, Gospel und – nun ja – Moritat hin und her changierten und sich gesanglich entweder abwechselten oder ergänzten – und natürlich auch atmosphärisch dem Anlass entsprechend variieren wussten – kam niemals so etwas wie Langeweile auf; was ja nun bei akustischen Konzerten schnell einmal passieren könnte.
Dem Publikum gefiel das jedenfalls (was in solchen Situationen ja nicht besonders überraschend ist), sodass Yasmin und Sam dann mit einem gut gefüllten „Geldhut“ nach Hause gehen (bzw. weiterreisen) konnten. Es sei ihnen von Herzen gegönnt. Die feilgebotene LP „In The Clay“ offenbarte dann auch noch, dass Basset im Studio mit Bass, Fiddle, Flöte, Mandoline, Piano, Percussion und sogar elektronischen Elementen auch mal recht opulent – bis hin zum Bandarrangement – agieren können. Das wäre dann auch mal was für eine kommende Tour.





















