Ganze 17 Jahre hinderte das Leben Rob Taylor und Alex Paulick daran, andere Pläne zu machen. „Love’s Recurring Dream“ – das letzte Album des gemeinsamen Projektes Coloma erschien nämlich 2009 – danach verloren sich die Wege der Musiker in den Irrungen und Wirrungen des alltäglichen Daseins – bis Rob Taylor (seines Zeichens der Texter und Sänger des Projektes), der sich ins Privatleben zurückgezogen hatte, wieder zur Musik zurückfand und ab 2021 begann, an neuen Song-Ideen zu arbeiten. Das motivierte dann auch Alex Paulick (der in Berlin als Komponist, Produzent und Musiker bei Projekten wie Kreidler oder den Morning Stars aktiv ist), die musikalische Ausgestaltung des sich anbahnenden Albums als musikalischer Direktor zu realisieren.
Worum geht es aber eigentlich? Das Projekt Coloma ging Anfang der 2000er Jahre aus den Bands Tonic – später Wood Hall Four – und Barret Velox hervor, die Taylor und Paulick zusammen mit Bassist Simon Anderson und Drummer Nolan Churn Mitte der 90er Jahre in Köln ins Leben gerufen hatten, wohin die vier jungen Engländer damals gerade gezogen waren. Als Nolan dann in die USA auswanderten uns sich dort in der alten Goldgräberstadt Coloma niederließ, war das die Initialzündung für die Entscheidung von Taylor und Paulick, ihre kreative Zusammenarbeit dann mit dem neuen Projekt fortzusetzen – dem sie dann eben den Namen Coloma gaben.
Die bewusste Abkehr vom Gitarren-orientierten Sound der Vorgängerprojekte und der Einsatz elektronischer Instrumente und Produktionsmittel war dabei von vornherein das erklärte Ziel. Dass das nun vorliegende, neue Album nahtlos an das anschließt, was Taylor und Paulick bis 2009 gemeinsam auslebten, erklären die Herren dadurch, dass es sich bei „When We Were New“ eigentlich nicht um ein Comeback-Album handele, sondern eher um ein „Signal aus einer alternativen Zeitschiene, in der Coloma nie aufgehört hatten, Musik zu machen.“
Freilich stellt das Album keine Wiederholung oder Überarbeitung des bisher Erreichten dar, denn das inhaltlich und musikalische Konzept wurde erheblich ausgeweitet. Da ist zunächst mal der lyrische Rahmen: Alex Taylor schrieb die neuen Texte nämlich aus der Perspektive einer Mensch-Maschine (im Sinne etwa von Kraftwerk) – was zu einigen interessanten philosophischen Überlegungen führt, denn insbesondere gesanglich gibt Taylor sein Mensch-Sein ja nicht auf – und das ergibt dann im Zusammenhang mit Alex Paulicks Ansatz, das Thema Mensch-Maschine auf einer artifiziellen Ebene kompositorisch aufzufangen, durchaus spannende und interessante Kontraste.
Musikalisch richtete Paulick etwa seine Ideen nach den Prinzipien der Mikroton-Musik aus (bei der das übliche Acht-Ton-Spektrum durch Zwischentöne ergänzt wird). Obwohl es durchaus konventionelle Live-Instrumente wie Bass und Gitarre (via Alex Paulick) sowie Drums und Percussion (via Nolan Churn und Paulicks Sohn David) zu hören gibt, sind es es vor allen Dingen die Electronics, die das Projekt klanglich dominieren.
Hier wird es dann ein bisschen weird – denn aufgrund der Programmierung der perkussiv eingesetzten Synthesizer und Computersounds klingt die Sache tatsächlich irgendwie „metallisch“ – was vielleicht dann auch das Cover-Artwork der Berliner Künstlerin Hella Gerlach erklärt. Durch den Einsatz der organischen Elemente und Taylors durchaus charmanten Crooner-Gesang wirkt das alles aber niemals wirklich steril. Letzteres auch deshalb, weil keineswegs auf konventionelle Songstrukturen, Melodien und teils gar Pop-Elemente verzichtet wurde. Tatsächlich klingt das die britische Blue-Collar-Ästhetik nicht nur inhaltlich, sondern auch harmonisch bis heute durch. Bestes Beispiel dafür sind Songs wie „I Am You“ oder der Titeltrack – den sich so oder ähnlich etwa Vince Clarke in den 80ern auch nicht schöner hätte ausdenken können. Nur versöhnliche Klangwolken und HipHop-Elemente oder gar Autotune, wie sie heutzutage in der elektronischen Musik üblich sind, sucht man vergeblich. Aber sich an der Gegenwart orientieren zu wollen oder sich mit ihr zu messen, war ja noch nie das Anliegen von Coloma.
Inzwischen gibt es mehrere Musik-Acts, die sich den Namen und/oder Namenszusatz Coloma gegeben haben, was das Auffinden des Projektes im Web und den Sozialen Medien schwierig bis unmöglich macht, zumal Coloma keine Website und/oder Accounts zu besitzen scheinen. Vielleicht hätten sich Alex und Rob diesbezüglich ein Mal kundig machen sollen. (Das Problem sollte den Herren doch noch aus Tonic-Zeiten eigentlich bereits bekannt sein.)
„When We Were New“ von Coloma erscheint auf Bandcamp.




