Es gibt Platten, da weiß man bereits nach wenigen Takten: Das wird richtig gut. „The Mirror“, das vierte Solowerk von Big-Thief-Gitarrist Buck Meek, ist eine solche Platte.
Der Opener „Gasoline“ ist nicht nur der mit Abstand beste Song, den der amerikanische Troubadour jemals geschrieben hat, die elektrisierende Nummer katapultiert die Hörerinnen und Hörer auch gleich mitten hinein in eine Klangwelt, in der Meek zwischen rustikalem Americana-Flair, sanfter Psychedelia und einem unterschwelligen elektronischen Ambient-Flirren keine Mühe hat, selbst einem angestaubten Genre wie Folk-Rock spannende neue Facetten abzuringen und mit sagenhafter Intimität zu begeistern. Den Plan, mit seinen eigenen Regeln zu brechen, setzt Meek dabei mühelos um.
Dabei ist „The Mirror“ – anders als die ersten Meek-Solowerke – augenscheinlich ein Big-Thief-Album mit vertauschten Rollen. Der Schlagzeuger des Trios, James Krivchenia, fungiert hier als Produzent und Meeks rechte Hand, und sogar Frontfrau Adrianne Lenker taucht neben vielen weiteren Gästen aus dem Big-Thief-Umfeld als Backing-Sängerin auf, um für eine wunderbar informelle Atmosphäre zu sorgen. Maßgeblichen Anteil hat auch Gitarrist Adam Brisbin, dessen subtile Beiträge des Öfteren an seine Arbeit mit Cassandra Jenkins erinnern.
Bisweilen fühlt sich „The Mirror“ an wie ein modernes Pendant zu den legendären „Basement Tapes“ von Bob Dylan und The Band, aber auch an die Ungezwungenheit der Werke von Howe Gelb mit Giant Sand und Neil Youngs Glanztaten aus den 70ern darf man sich hier und da erinnert fühlen.
Songs wie „Worms“ oder „Soul Feeling“ vermitteln dabei ein Gefühl, als würde man die Tür zum Tonstudio öffnen und einen Blick auf die Band beim Jammen erhaschen. Auch andere Lieder klingen so, als würden sie gerade erst in Echtzeit vor den Ohren des Publikums entstehen, ohne deshalb unfertig oder wie dahingeworfen zu erscheinen. Vielmehr sind es Lieder, die aus Liebe zur Musik und ohne große kommerzielle Hintergedanken oder hochtrabende Ambitionen entstanden sind.
Das gilt auch für die feinfühligen Texte, die um Nähe, Verletzlichkeit und die Brüchigkeit von Erinnerungen kreisen. Wortspiele, die schon im Albumtitel anklingenden Spiegelungen und innere Dialoge machen dabei auch immer wieder Sprache selbst zum Thema, oder wie es an anderer Stelle bereits hieß: „Angst und Zweifel erscheinen dabei nicht als Gegenspieler, sondern als Begleiter.“
Obwohl Meek hier nicht einer vagen Idee von Perfektion nachjagt, ist ihm mit „The Mirror“ doch ein Album gelungen, das man guten Gewissens als „perfekt“ bezeichnen darf.
„The Mirror“ von Buck Meek erscheint auf 4AD/Beggars Group/Indigo.




