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Keine Gefangenen!
„Hochfliegende Refrains, grungiger Wahnsinn, lebhafter Synth-Punk“, „Kraftvoll und voller Charme, große Hooks, noch größere Gefühle“, „Unvergessliche Melodien, die an dir pappen bleiben wie Klebstoff“ – das Echo, das Coach Party vor wenigen Monaten mit ihrem zweiten Album, „Caramel“, auf beiden Seiten des Atlantiks ausgelöst haben, war völlig zu Recht geradezu euphorisch. Mit viel Charme und Charisma, sichtlich großer Freude am eigenen Tun und ohne Scheu vor allen erdenklichen Rock-Posen treffen die Senkrechtstarter von der Isle of Wight auch bei ihrem im wahrsten Sinne des Wortes einmaligen Auftritt in Köln voll ins Schwarze.
Beginnen wir mit einem Blick zurück: „Coach Party lieferten zum Abschluss des Reeperbahn Festivals noch einmal einen kraftvollen Beweis, wie frischer Alternative Rock 2025 klingen muss: Mit Indie-Charme, Riot-Grrrl-Energie und einer Prise rabiaten Punk-Spirits stürmten sie durch ihr Set. Eingängige Pop-Hooks treffen auf synthetische Spielereien, textlich navigiert die Band durch die Irrungen und Wirrungen der modernen Welt, immer mit einem Augenzwinkern und einem nostalgischen Feel-Good-Vibe“, schrieb David Bluhm vor wenigen Monaten an dieser Stelle über den mitreißenden Auftritt von Coach Party im Hamburger Molotow, und genau das kann man Sängerin und Bassistin Jess Eastman, Gitarristin Steph Norris, Gitarrist Joe Perry und Schlagzeuger Guy Page nun auch bei ihrer Rückkehr nach Deutschland bescheinigen.
Ursprünglich waren Anfang März weitere Auftritte in Hamburg und Berlin geplant, doch letztlich ist das Gastspiel im Kölner Kellerclub MTC das einzige Deutschland-Konzert der aktuellen Europa-Tournee von Coach Party. Am Ende war wohl das Verlangen einfach größer, stattdessen als Special Guests des französischen Superstars Indochine vor den Toren von Paris in der 15.000 Menschen fassenden Accor Arena für zwei restlos ausverkaufte Konzerte auf der Bühne zu stehen. Doch schon die „Warm-up Show“ in der Domstadt hat es in sich.
Als Intro haben sich Coach Party „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy ausgesucht, und das unterstreicht praktisch schon vor dem ersten Ton, dass heute keine Gefangenen gemacht werden und uns ein energiegeladenes, elektrisierendes Live-Erlebnis bevorsteht.
Los geht’s mit „Do It For Love“ einem der größten Banger aus „Caramel“, doch gleich danach zeigt „Can’t Talk Won’t“ von der „After Party“-EP aus dem Jahre 2021, dass Coach Party nicht über Nacht zu einer der besten britischen Bands ihrer Generation geworden sind, sondern bereits seit Jahren konstant kleine Hits und Hymnen schreiben. Das zeigt sich ganz besonders auch bei ihrem Song für die Ewigkeit, „FLAG (Feels Like A Girl“), der auch in Köln kaum zu toppen ist.
Dass die neuen Songs – in Köln stehen zehn von elf „Caramel“-Liedern neben Nummern aus dem Debütalbum „Killjoy“ von 2023 und den bereits erwähnten EP-Tracks auf der Setlist – trotzdem oft ein bisschen raffinierter klingen und noch mehr zünden als die alten, unterstreicht derweil, dass Coach Party sehr genau wissen, was sie am besten können, und diese Stärken rücken bei neuen Nummern „Fake It“ oder „Do Yourself A Favour“ mehr als je zuvor in den Vordergrund.
Das unterstreicht auch „Nurse Depression“, die wenige Wochen zuvor veröffentlichte neue Single, die all die Tugenden von „Caramel“ in wuchtigen zwei Minuten auf den Punkt bringt. So liefern Coach Party an diesem Samstagabend 60 Minuten lang eine ehrliche Rock-Show, die auf alten Werten fußt, aber dennoch nie von wie von gestern klingt oder wirkt.
Auch für das Finale ihres Auftritts haben sie sich etwas einfallen lassen – und dass, obwohl es keine Zugabe im klassischen Sinne gibt. Am Ende des mitreißenden Schlusssongs „Girls!“ stehen plötzlich zwei Dutzend Fans gemeinsam mit Coach Party auf der Bühne, und danach ist es schwer zu sagen, wer nun mehr strahlt – die Band oder das Publikum.
Kein Wunder, denn wann hat es schon mal ein Konzert gegeben, bei dem die Band ihren Fans zum Abschied auf der Bühne (!) um den Hals fällt? Man könnte auch einfach sagen: Die Leichtigkeit, mit der Coach Party an diesem Abend alles richtig machen, ist wirklich bemerkenswert!















