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Songs aus aller Welt
„Honahlee“ (oft auch Hanalei oder Honah Lee geschrieben) bezeichnet im Allgemeinen einen mythischen oder himmlischen Ort, der am bekanntesten als das Land ist, in dem Donovans „Puff, der magische Drache“ lebte. Und es gibt das aus der costa-ricanischen Sängerin Michelle Gonzalez und dem österreichischen Musiker Kevin Etheridge bestehenden Singer/Songwriter-Duo, dessen Name „Honahlei“ – in dieser abgewandelten Schreibweise, die die Google-Suche ungemein erleichtert – sich auf eben diesen mythischen Ort bezieht, um das Gefühl des Staunens, die Nostalgie und das Ziellose des Duos widerzuspiegeln (so die Website). Und um dieses Duo soll es hier gehen.
Das inzwischen zum Globetrotter-Pärchen mutierte Duo fand sich zunächst über eine Fernbeziehung zusammen, als Michelle von Costa Rica aus und Kevin während eines Tauchlehrer-Jobs von Island aus erste Songideen austauschten. Nachdem sie festgestellt hatten, dass ihre autobiographisch geprägten Folk-Pop-Songs schnell den Zuspruch eines internationalen Publikums fanden, sind die DIY-Musiker seither nahezu ununterbrochen unterwegs, um ihr Material vor einer ständig wachsenden Zuhörerschaft zu präsentieren – so auch bei ihrer Show in der Kölner Wohngemeinschaft.
Als Gast hatten sie sich den Londoner Songwriter Charles Costa mitgebracht – der früher als King Charles unterwegs war und von dem Kevin und Michelle große Fans sind. Nachdem er als King Charles zwischen 2012 und 2020 drei Alben veröffentlicht hatte, stellte das im letzten Jahr veröffentlichte Album „Charles Costa“ dann sozusagen einen Reset und Neuanfang in eigener Sache nach. Wenn der begeisterte „Ultrarunner“ – der zuletzt 90 Marathons in 90 Tagen absolvierte – Zeit findet, an seinen Songs zu arbeiten, kommen dabei introspektive Folk-Balladen wie der Song „Lady Of The River“, der Pop-Song „All I Know Is How I Feel“ (dessen Titel er einem „Cowboy Film mit Paul Newman“ entnommen hat), das akklamative „Love Lust“ oder seine aktuelle, bluesige Nummer „Nothing At The Most“ dabei heraus. Einen besonderen Clou leistete sich Costa indes mit einem neuen Text, den er für Billy Joels „We Didn’t Start The Fire“ schrieb – indem er die überholten Themen des Originals aus den 80ern der Jetztzeit anpasste – was gar nicht so einfach ist, denn inzwischen ist der vor drei Jahren geschriebene Text schon wieder überholt und musste demzufolge erneut angepasst werden. All diese verschiedenen Tracks trug Costa solo auf einer halbakustischen Gitarre der kanadischen Marke Godin vor, deren trockener Sound einen interessanten Kontrast zu den lebendigen Storyteller-Lyrics des Meisters darstellte, auf die man sich somit auch als Neuling bestens einlassen konnte.
Sich auf die Lyrics bei der Show von Honahlei einzulassen, war eigentlich gar nicht notwendig, da insbesondere Kevin – ergänzt von gelegentlichen Details, die Michelle einbrachte – äußert charmant und humorvoll durch die wundersame Welt der Honahlei-Abenteuer führte, aus denen dann die Songs hervorgingen. So berichtete er zum Beispiel von den Reisen nach Island, Costa Rica oder Italien – und die teils kuriosen Ereignisse, die dann im Songformat festgehalten wurden. Der „Mermaid Song“ vom Debüt-Album „Nosara Tapes“ (das nun endlich auch physisch als Vinyl vorliegt) sei sozusagen beim Tauchen entstanden – und sei von der Schauspielerin und Musikerkollegin Vanessa Hudgens ausgewählt worden, ihre Schwangerschaft kundzutun, was dann zu einer Flut von Mermaid-Posts geführt habe. Der Song „Moon Bloom“ (einem der wenigen Tracks, zu denen es bereits ein Video gibt) sei dann das Stück gewesen, mit dem das Honahlei-Abenteuer letztlich begonnen habe – weswegen man dann bitteschön das Licht dämpfen solle, um die heimelige Stimmung nicht kaputt zu machen. Wer sich gewundert haben mochte, dass auf mehreren Stücken des zweiten Albums „Expedition Zafira“ Vogelgezwitscher zu hören ist (beispielsweise auf dem einleitenden Track „Little Birdy“), dem sei gesagt, dass es sich dabei um die Beiträge des Papageien und inoffiziellen Band-Mitgliedes Bella handelt, den Michelle und Kevin auf einem Trip nach Italien am Straßenrand aufgelesen und letztlich dann adoptiert hatten. Der Song vom „Tamarindo Tree“ bezieht sich auf eine in Costa Rica gelegene Küstenregion, die die Heimat der auch bei uns bekannten Tamarinden-Pflanze ist (die insbesondere in der asiatischen Küche gerne zur Herstellung einer leicht säuerlichen Würzsoße zum Einsatz kommt). Und der Song „Nordic Sea“ bezieht sich dann natürlich wieder auf die Gewässer um Island.
Honahlei – so stellte sich dann auch musikalisch heraus – agieren also „all over the place“. Stilistisch lassen sich Honahlei auch überhaupt nicht eingrenzen. Klar, dass das akustische Setting dazu führt, dass die Musik des Duos zunächst mal als Folkpop wahrgenommen wird. Aber auch Indie-Pop, Reggae, Tropicalia und in gewissen Sinne gar Dance-Grooves sind Honahlei nicht fremd. Die Aufgabenteilung ist dabei klar: Während Kevin überwiegend für die musikalische Ausgestaltung zuständig ist, zeichnet Michelle ausschließlich für den (multilingualen) Gesang verantwortlich. Dabei überrascht sie durch ein betont wandlungsfähiges Timbre – klingt zuweilen wie ein Mann und entschwebt im nächsten Moment in jubilierende Hochtonbereiche. Damit deckt sie somit ein breites Spektrum ab – und zwar auf eine bemerkenswert empathische Weise, die dazu führt, dass sie sich – oft mit geschlossenen Augen – intensiv in die Songs hineinarbeitet, dabei aber nie den Kontakt zum Publikum verliert. Kevin überzeugt als kompetenter musikalischer Verwandlungskünstler, der mit akustischer Gitarre, seinen Kickboards und gelegentlich eingespielten Backingtracks den Charakter der Studioproduktionen erstaunlich lebendig auf der Bühne zu reproduzieren imstande ist.
Eine besondere Beziehung zum Publikum entwickeln Honahlei nicht einfach nur dadurch, dass sie die Fans als Mittäter einbinden und zum Tanzen oder Mitsingen auffordern (das kann ja jeder), sondern indem sie sich gleich mehrfach ins Auditorium begeben und dort den Fans sozusagen Nase an Nase gegenüberstehen. Was am Ende blieb, war ein ziemlich perfekter, poppiger Singer/Songwriter-Abend in der ziemlich gut gefüllten Wohngemeinschaft. Ob sich so etwas noch einmal wiederholen lässt, ist fraglich, denn Honahlei sind auf dem besten Weg, ihre ähnlich agierenden Kollegen auf der Erfolgsspur zu überholen. Für die Zukunft sind jedenfalls schon größere Dinge geplant. Wir dürfen gespannt sein und sollten das Projekt Honahlei in den Augen (und selbstverständlich auch den Ohren) behalten.


























