Dass die Dandy Warhols über kurz oder (in dem Fall) lang ein ganzes Album mit Coverversionen veröffentlichen würden, lag sozusagen auf der Hand, denn im Laufe der Jahre hatten sich Unmengen von Cover-Versionen für Tribute-Projekte, von B-Seiten oder als Outtakes angesammelt. Das ist auch kein Wunder, denn die Warhols gelten allgemein als Musik-Nerds und vor allen Dingen Musik-Fans, die sich keine Gelegenheit entgehen lassen, ihre Lieblingstracks in abgefahrenen, freischwebenden, bewusstseinserweiternden – allerdings zuweilen auch eher werksgetreuen – Versionen zu spielen. Und so überrascht es dann auch nicht, dass die Warhols auf dem „Pin Up“-Album ganze 17 (auf drei Seiten in der Vinyl Edition verteilten) Cover-Versionen aus ihrem Fundus zusammengesucht haben.
Die Auswahl des Materials ist natürlich recht eklektisch ausgefallen. Was die Sache aber im Tenor zusammenhält, ist die Tatsache, dass die Warhols hier (neben offensichtlichen Idolen) vor allen Dingen solchen Bands die Ehre erweisen, die – wie sie selbst – integer jenseits des Mainstream-Durchbruchs auf einem künstlerisch wertvollen Indie-Level agieren. „Fast jede Band, die wir hier covern, sind Freunde von uns oder Künstler, mit denen wir eine besondere Erfahrung geteilt haben“, sagt Courtney Taylor-Taylor. Das gilt natürlich weniger für Acts wie Bob Dylan, The Greateful Dead, America, The Birds oder The Beatles – deren Songs auf Seite drei der LP-Edition dann in erstaunlich hemdsärmeligen, oft akustisch geprägten Versionen gespielt werden, die dann auch gut und gerne wiederzuerkennen sind (wie Beispielsweise „Easy Chair“ von den Byrds und besonders „Sister Golden Hair“ von America) – sondern eher für Acts wie die Violent Femmes, The Cramps, The Damned oder The Cult (die mit einer Dub-Version von „She Sells Sanctuary“ und einer eher folkigen Version von „Rain“ gleich zwei Mal bedacht werden).
Musikalisch gilt die Maxime: Anything Goes. Und wer die Dandy Warhols kennt, der weiß, dass das dann vor allen Dingen im psychedelischen Freistil ausartet. Die bei den eigenen Scheiben zuletzt zu beobachtende Vorliebe für Rock-Elemente wird hier allerdings nicht wirklich implementiert. Dafür wird der im Bandkontext ansonsten stets unterbeschäftigten Keyboarderin Zia McCabe hier die Möglichkeit gegeben, sich stärker gesanglich einzubringen – beispielsweise auch bei der aktuellen Single-Auskoppelung – einer Art Psychobilly-Version des Violent Femmes-Tracks „Kiss Off“. Sicherlich erfüllen sich die Dandy Warhols mit diesem Projekt nicht nur sich selbst, sondern auch den Fans einen Herzenswunsch. Eine Fortsetzung erscheint demnach durchaus nicht ausgeschlossen.
„Pin Ups“ von The Dandy Warhols erscheint auf Beat The World Records.




