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Von Haselünne bis ans Ende der Welt
Zum „Heimspiel“ von The Green Apple Sea im emsländischen Haselünne waren die Fans tags zuvor sogar aus Japan (!) angereist, in Grevenbroich kommen sie „nur“ aus dem Ruhrgebiet, aus Köln oder direkt aus dem Ort, doch am Ende sind alle glücklich, dabeigewesen zu sein, denn mit ihrer Melange aus Americana-Folk, Slowcore und Indie-Pop, wie es ihn so schön sonst nur in Australien und Neuseeland gibt, hatten Stefan Prange und die Seinen schließlich schon immer ein Händchen für das Besondere.
Nachdem die Sorge, dass das Green-Apple-Sea-Gastspiel terminlich mit der Premiere von Hape Kerkelings neuestem Horst-Schlämmer-Streifen in Grevenbroich zusammenfallen würde, schnell ausgeräumt ist, steht einem schönen Konzertabend in der heimeligen Atmosphäre des Café Kultus im Schatten der St.-Peter-und-Paul-Kirche nichts mehr im Wege.
90 Minuten lang nimmt die inzwischen in Nürnberg heimische sechsköpfige Band uns mit auf eine Reise, die uns buchstäblich von den Anfängen im beschaulichen Haselünne – das neue Album „Dark Kid“ dreht sich nicht zuletzt um die komplizierten Familienverhältnisse in der Kindheit von Sänger und Songwriter Prange – bis zu Erinnerungen an seine Hochzeitsreise nach Südamerika in „El Fin Del Mundo“ führt.
Auch wenn viele der Songs melancholisch angehaucht sind, sorgt der behutsame, aber doch volle Klang der Band – Christian „Wuschi“ Ebert (Tasten), Michael Kargel (Schlagzeug), Lena Dobler (Harmoniegesang), Frank Theismann (Bass) und der kurzfristig eingesprungene Stephan Schomaker (Stromgitarre) – für viele tröstende, ja erhebende Momente.
Gerade Doblers Harmoniestimme sticht immer wieder hervor, während Wuschis Rhodes-Piano für ein samtenes Kissen sorgt und Theismann – der neben Henrik Schoch schon Ende der 90er zur Urbesetzung von Green Apple Sea gehörte – für einige sanftere Nummern sogar vom E-Bass zum Kontrabass wechselt. Auch Prange greift mal zur sechssaitigen, mal zur zwölfsaitigen Akustikgitarre, und tatsächlich ist diese Liebe zum Detail im Kultus das i-Tüpfelchen.
Dass Green Apple Sea an diesem Abend zu sechst auf der Bühne stehen, sorgt dafür, dass sich der klangliche Fokus etwas verschiebt. Waren in der jüngsten Vergangenheit, in zumeist kleinerer Besetzung, die am deutlichsten in der Folk- und-Country-Welt verwurzelten Songs wie „Whale Watching“ oder „I Need You To Save Me Forever“ bei den Konzerten die Highlights, sind es an diesem Abend die eher indie-poppigen Nummern, die besonders glänzen.
So klingt „Life Is In Our Way“, als würden The Go-Betweens einen Song des dritten Velvet-Underground-Albums covern, „I Like Rain“ ist eine Verbeugung vor der neuseeländischen Kultband The Jean-Paul Sartre Experience (von denen die Nummer stammt), und beim hymnischen, behutsam anschwellenden „You Got This“ wird es kurz vor Ende sogar richtig feierlich.
Zwischen den Liedern plaudert Prange ungeniert aus dem Nähkästchen und verrät viel zu den Hintergründen der Songs, die auf dem neuen Album oft von abstrusen Episoden seiner nicht immer leichten Kindheit inspiriert wurden und aus ihm das titelgebende „Dark Kid“ gemacht haben.
26 Jahre nach ihrem Debütalbum „All Over The Place“ – übrigens die einzige ihrer Platten, aus der es keine Songs zu hören gibt – erleben wir The Green Apple Sea in Grevenbroich als die entspannte, aber großartige Feierabend-Kapelle, die sie heute sind, und es ist genau das Gefühl, dass bei diesem Konzert alles kann und nichts muss, das für die besondere Note sorgt.


















