Das Cover zum neuen Album von Suzi Quatro zeigt das Role Model für rockende Frauen auf einem Motorrad, den Bass in der linken Hand, die rechte Faust in die Höhe gestreckt. Bereit, in den Sonnenuntergang zu biken. Den schwarzen Lederoverall kennen die Älteren vom Bravo-Starschnitt, für dessen 18 Teile man 1973 immerhin elf Ausgaben erwerben musste. Der Titelsong „Freedom“ ist kein politisches Statement, sondern feiert die eigene Freiheit. Ein dreieinhalb-minütiger Boogie, gefolgt von dem Rocker „Little Miss Lovely“, der vielleicht auf die geringe Körpergröße Quatros selbst anspielt. „Choose Yourself“ nimmt das Tempo zurück. „Life is too short to fool yourself“, sinniert die inzwischen 75-Jährige.
„Freedom“ ist das dritte Album, das Quatro mit ihrem Sohn Richard Leonard Tuckey aus der Ehe mit Len Tuckey, dem Gitarristen ihrer Band aus Glam-Rock-Tagen, aufgenommen hat. Als Co-Songwriter, Produzent und Gitarrist hat er seiner Mutter zu einem soliden Rockalbum verholfen, das beim ersten Hören ein wenig ausrechenbar klingt, bei wiederholtem Hören aber durchaus Spaß bereitet. Das liegt vor allem an Quatros angerauter Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, Tuckeys zupackenden Riffs und in ruhigeren Passagen einigen unspektakulären, aber hübschen Griffbrett-Exkursionen. „Shakedown“ nimmt durch den mehrstimmigen Backgroundgesang das Mitgrölen potenzieller Konzertbesucher vorweg. Der Blues-Rocker „Take It Or Leave It“ überzeugt mit einem Call-and-Response-Refrain und Tim Aves‘ Mundharmonika, welche auch das ähnlich gelagerte, entspannte „Here’s Ya Boots“ bereichert, auch wenn hier dem Ex die Schuhe vor die Tür gestellt werden.
Die Kennzeichnung des Disco-Songs „It All Comes Down To You“ als Bonus-Track verweist darauf, dass er mit dem restlichen Album nichts zu tun hat. Stampfende Elektro-Beats, ein bisschen Keyboard-Geklingel und ein recht eingängiger Refrain – das irritiert in diesem Kontext schon. Nach dem Dancefloor-Remake, mit dem der australische DJ Cyril „Stumblin‘ In“ zu einem weltweiten Sommerhit gemacht hat, mögen zu der Idee geführt haben, noch einmal in diesem Biotop zu wildern.
Den eigentlichen Schlusspunkt setzt Quatro aber zusammen mit ihrem Kumpel aus gemeinsamen Detroit-Zeiten. Mit Alice Cooper war sie 1975 auf Tour, die MC5 haben sie in ihrer Heimatstadt mehrfach gesehen. Da überrascht nicht, dass sie sich die ikonografische Dreckschleuder „Kick Out The Jams“ herausgesucht haben. Den vielleicht ersten Punksong transferieren sie in einen schlanken Rocksong. „Kick out the jams, motherfucker!“ ruft Quatro zu Beginn und Cooper tadelt sie mit einem gespielt-empörten „Suzi!“. Cooper zitiert später „Can The Can“, Quatro revanchiert sich mit einer Zeile aus „Schools Out“ – die Hits, die beide auf ein Superstar-Level hievten. Es ist der beste Song des Albums. Funfact: Auch Alice Cooper gab es damals als Bravo-Starschnitt. Für die zwölf Teile mit dem Schock-Rocker – in farbige Alufolie gehüllt, eine Margarite im Mundwinkel, eine Bierbüchse in der Hand und Glitter am Fuß – benötigte man immerhin nur sieben Ausgaben der uncoolen Zeitschrift.
„Let’s get back to where we belong“ fordert Quatro im „Woman’s Song“ und warnt indirekt vor einer Aufweichung von Frauenrechten. Quatro tut dies lieber mit Taten als mit Worten. Als Vorbild für viele Rockmusikerinnen und heute gern mit ihrer selbstironischen Art, wenn sie in fortgeschrittenem Alter mit ihrem Lederoutfit spielt – nicht nur auf dem Plattencover, sondern auch live auf der Bühne. Forever in leather.
„Freedom“ von Suzi Quatro erscheint auf Chrysalis Records/Bertus.




