Platte der Woche KW 15/2026
Bis 2019 verlief die Karriere von Maria Taylor vergleichsweise geradlinig. Zwischen 2005 und eben 2019 veröffentlichte die Songwriterin aus Birmingham, Alabama acht Alben als Solo-Künstlerin. Dass es nun ganze sieben Jahre bis zum neuen Album „Story’s End“ dauerte, hat verschiedene Gründe. Zum einen ließ Maria nämlich die On/Off-Beziehung mit ihrer Freundin Orenda Fink und dem gemeinsamen Projekt Azure Ray wieder aufleben, was schließlich 2021 zu dem neuen Album „Remedy“ führte. Des Weiteren engagierte sich Maria auch weiterhin in der Birmingham-Szene, aus der sie schließlich entstammt, und beteiligte sich an Produktionen aus dem Bright Eyes-Dunstkreis – etwa als Drummerin für die Band auf der 2023er Tour. Logisch, dass Conor Oberst, Mike Mogis, Nate Walcott und Marias Bruder Macey dann auch an der Produktion von „Story’s End“ beteiligt sind. Des Weiteren arbeitete Maria mit KünstlerInnen wie Phoebe Bridgers, Adam Duritz, Ben Lee, veröffentlichte gelegentlich diverse Singles oder schrieb Songs für TV-Serien wie z.B. den Song „Everything I Wanted“ für die Hallmark-Produktion „The Way Home“. Daneben kümmerte sie sich auch noch um ihre Familie – und hier liegt dann auch der Kern der Genese des neuen Albums.
Denn als ihre Ehe in die Brüche ging – und obendrein eine Freundschaft zerbrach –, nahm Maria das zum Anlass, mit dem neuen Album (an dem sie schon eine ganze Weile herumgewerkelt hatte) eine Art musikalische Autotherapie anzustoßen, um sich einerseits von den emotionalen Wirren um sie herum abzulenken und diesen Wirren andererseits etwas Schönes als Antwort entgegenzusetzen, um so die Hoffnung auf eine positive Wendung in der Zukunft zum Ausdruck zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, legte Maria die neue Songsammlung als einen persönlichen Rückblick auf die Ereignisse der letzten Jahre an – und zwar wie den Nachspann zu einem Film, den man gerade gesehen hat und über dessen Geschichte man dann nachdenkt, während die Zuschauer den Kino-Saal schon verlassen. Und das erklärt dann auch den Titel des Albums „Story’s End“. Freilich möchte Maria das Ende der nun abgeschlossenen Story dann auch als Beginn von etwas Neuem verstanden wissen.
Diese konzeptionelle Vorbereitung hat auf der musikalischen Seite dann viele schöne Effekte. So spielte Maria etwa auf den meisten Tracks selber die Drums (nachdem sie ja wie eine Verrückte für die Tour mit Bright Eyes geübt hatte). Mike Mogis, in dessen ARC Studio die Arbeiten an den Songs stattfanden, engagierte sich auch als Gitarrist, Bruder Macey spielte Bass, Sally Dwarsky, Nik Freitas und Conor Oberst gastierten als Gesangspartner und waren auch am Songwriting und der Produktion beteiligt, Ben Brodin machte als Multiinstrumentalist auf fast jedem Song mit und Nate Walcott arrangierte und produzierte in Los Angeles zusammen mit Pierre DeReeder von Rilo Kiley die reichhaltigen, für Maria Taylors Verhältnisse sogar regelrecht üppigen Streicher, die einen großen Teil der bittersüßen emotionalen Wirkung des Albums ausmachen.
Die Songs selbst versinken dabei weder in Wehmut noch etwa verpuffen sie in hedonistischer Belanglosigkeit. Die Balance zwischen Düsternis, Melancholie, Empowerment, Hoffnung und Akzeptanz ist dabei ausschlaggebend. Während die Up-Tempo-Tracks wie „Shades Of Blue“ oder „Never Thought I’d Feel New“ von einem eher kämpferisch/trotzigen Drive getragen werden, tendieren die balladesken Nummern wie „Story’s End“ oder „Sorry I Was Yours“ (bei dem Conor Oberst als Duettpartner fungiert) eher zur melancholisch/nachdenklichen Seite. Eine genaue Trennlinie gibt es indes nicht – und so gehören die Tracks, die (auch musikalisch) keiner bestimmten Gemütslage eindeutig zugeordnet werden können – beispielsweise „Tricky“ oder „Powerline“ – zu den interessantesten des Albums. Bestes Beispiel dafür ist der abschließende Track „Change Is Coming Soon“, der als fast schon lamentöse Ballade beginnt, dann aber auf halbem Wege zu einer fast schon stürmischen Hymne aufblüht und die eigentlich positive Botschaft des Songs (und des ganzen Albums) dann mit einem ermunternden Gitarrensolo entsprechend überzeugend markiert.
Noch eine Anmerkung sei gestattet: Während Maria Taylor früher öfter Probleme hatte, ihre Longplayer mit veritablem Songmaterial zu füllen – und dabei schon mal auf Fieldrecordings oder Voice Memos zurückgriff –, ist „Story’s End“ nach dem Motto „All Killer No Filler“ mit großartig ausformulierten, vollwertigen Songs gefüllt.
„Story’s End“ von Maria Taylor erscheint auf Million Stars.




