Krachige Improvisationen, kraftvoller Indie-Rock oder idyllischer Folk – der New Yorker Singer/Songwriter Steve Gunn ist ein Musiker, der auf vielen Hochzeiten tanzt. Das unterstreicht auch seine neue 4-Song-EP, „Shape Of A Wave“, die nun digital und als limitierte 12″-Vinylausgabe das Licht der Welt erblickt.
Wie das im vergangenen November erschienene Album „Daylight Daylight” wurde auch diese EP mit Gunns langjährigem Weggefährten James Elkington als Co-Produzent eingespielt. Vielleicht auch deshalb sind beiden neuen Songs vom gleichen Geist beseelt wie die letztjährige LP-Großtat, haben aber trotzdem ihren eigenen Willen.
Befreit von der Herausforderung, die Lieder in einem größeren konzeptionellen Rahmen zu präsentieren, scheint vor allem zu Beginn von „Mahina“ Gunns Faible fürs Experimentelle durch, wenn nervöses Improv-Flair erst nach 90 Sekunden den Weg freigibt für eine feine Solonummer, für die Gunn kaum mehr braucht als Akustikgitarre und Stimme.
„Shape Of A Wave“ hingegen ist eine dieser herrlich detailverliebt produzierten Leisetreter-Folknummern aus den Weiten des Nick-Drake-Universums, die sich Gunn schon seit Jahren immer wieder aus dem Ärmel schüttelt.
Komplettiert wird die EP durch zwei neue Versionen von „Daylight Daylight“-Songs, bei denen Gunns Idol Pete Kember alias Sonic Boom, einst der Architekt des wegweisenden Psychedelic-Rock-Sounds der legendären Spacemen 3, die Finger im Spiel hatte.
„Die Musik von Sonic Boom begleitet mich schon seit langer Zeit und hat meine Art, Songs zu hören und darüber nachzudenken, geprägt“, sagt Gunn selbst über die Kollaboration. „Die Zusammenarbeit mit ihm ist für mich ein ganz besonderer Moment, denn seine Musik hat mir über die Jahre viel bedeutet. Ich bin sehr dankbar, dass er diesen Songs seine ganz eigene Note verliehen hat.“
Herausgekommen sind dabei Bearbeitungen, die sich genau so anhören, wie jeder gute Remix klingen sollte: Mit spürbarem Respekt vor den mit wunderbaren Streicher-Arrangements glänzenden Originalversionen bugsiert Kember die Songs behutsam in seinen ureigenen, effektschwangeren Kosmos, um so bei „Nearly There“ und „Another Fade“ das Beste aus den Klangwelten beider Künstler lebendig werden zu lassen.
Dabei ging es Kember offenbar nicht primär darum, die Songs zu zerlegen und neu zusammenzusetzen, sondern darum, mit seinen Beiträgen das zu akzentuieren, was den Reiz der atmosphärisch dichten Originale ausgemacht hat. Das Einzige, was danach noch bleibt, ist, die Tage rückwärtszuzählen, bis Steve Gunn noch im April für Konzerte in Esslingen, Köln und Düsseldorf auf deutsche Bühnen zurückkehrt.
„Shape Of A Wave“ von Steve Gunn erscheint bei No Quarter/Cargo.




