Ganz schön praktisch, wenn man als Band seit jeher Musik macht, die nicht an altmodische Konzepte wie Zeit und Raum gebunden ist und schon immer gleichzeitig wie aus der Zeit gefallen und aufregend futuristisch wirkte. In den 90er-Jahren galten Seefeel mit ihren Platten auf Tastemaker-Labels wie Too Pure oder Warp als wegweisende Kraft im Grenzgebiet von elektronischer Musik und Shoegaze und selbst lange Auszeiten – das neue Werk „Sol.HZ“ ist erst das zweite Full-Length.-Werk der letzten 30 Jahre – konnte der Londoner Band um Matt Clifford and Sarah Peacock nichts anhaben.
Auch auf „Sol.Hz“ erleben wir Seefeel als einen Act, der im Aphex Twin‘schen Sinne ebenso eigensinnig wie zeitlos ist. Dichte Ambient-Texturen werden mit tiefen, subaquatischen Dub-Bässen und zerschossener IDM-Ästhetik verwoben, wenn an die Stelle klassischer Shoegaze-Gitarren nun ein Gefühl absoluter Abstraktion tritt. Atmosphäre ist hier fraglos wichtiger als Songstrukturen.
Besonders deutlich wird das bei den Vocals: Peacocks Stimme fungiert auf „Sol.Hz.“ kaum noch als Gesang, sondern schwebt wie ein geisterhaftes, stark manipuliertes Instrument durch weite Hallwelten und Echo-Räume. Tracks wie „Brazen Haze“ oder „Until Now“ entfalten so in den besten Momenten eine hypnotische Sogwirkung zwischen cineastischer Schwerelosigkeit und unterschwelliger Düsternis.
Weil sich Seefeel hier gängigen Pop-Strukturen ebenso wie simplen Club-Gimmicks verweigern, ist es leicht, „Sol.Hz“ das Prädikat „künstlerisch wertvoll“ aufzudrücken, wenngleich dieses hochgradig immersive, betont detailverliebte Klangerlebnis am Ende wenig Spielraum für die Fans der ersten Stunde bietet, in Nostalgie zu schwelgen.
„Sol.Hz.“ von Seefeel erscheint auf Warp Records.




