Das New Yorker Quintett Slow Fiction ist sicher nicht die erste Band, die den Dunstkreis von rauem Indierock, treibendem Post-Rock und atmosphärischem Shoegaze auslotet. Ihr soeben erschienenes Debütalbum „dollhouse“ lässt trotzdem aufhorchen. Denn während andere ähnlich inspirierte Acts nach der perfekten Symbiose der Genres suchen, scheinen Slow Fiction eher darauf aus zu sein, mit bewussten Brüchen die innere Zerrissenheit zu vertonen, anstatt in Melancholie oder Tristesse zu versinken.
Songs wie das treibende „ninetynine“ oder das hypnotische „satellite“ spiegeln die Ruhelosigkeit des urbanen Lebens (nicht nur) in New York wider. Mit „satellite“ thematisiert die Band die Abstumpfung gegenüber globalen Katastrophen, die wir oft nur noch über Bildschirme konsumieren.
Es ist diese thematische Tiefe, gepaart mit einer enormen Dynamik, die dafür sorgt, dass „dollhouse“ ein wirklich mitreißender Erstling ist. Ein Paradebeispiel für das Spiel mit den Kontrasten ist auch das sechsminütige Schlussstück „turning down flowers“, das sich erst schleppend, aber intensiv aufbäumt, um in einem kathartischen Rauschen zu münden, um so die existenzielle Zerrissenheit des Hier und Jetzt perfekt einzufangen. Den Sweetspot zwischen kontrolliertem Chaos und intimer Klarheit treffen Slow Fiction dabei oft beeindruckend mühelos. Zugegeben, hier und da wird die Band noch von den eigenen Ambitionen überrumpelt, allerdings offenbart das – positiv ausgedrückt – auch Entwicklungspotenzial für die Zukunft.
Die Gitarristen Paul Knepple und Joseph Skimmons, Bassist Ryan Duffin sowie Drummer Akiva Henig bereiten die Bühne für die Texte von Sängerin Julia Vassallo. Diese stellt gleich im Opener „junior year“ cool, aber dennoch emotional mit der Zeile „Who are you when no one’s looking back or through“ die zentrale Frage nach der Identität im Spannungsfeld zwischen privatem Ich und öffentlicher Performance. Dabei scheint es Slow Fiction oft wichtiger zu sein, Fragen zu stellen, als mundgerechte Antworten liefern zu wollen – oder zu können.
„dollhouse“ von Slow Fiction erscheint auf Tight Knit.




