Ihr erst sechstes Album in ihrer 20-jährigen Karriere als Songwriterin, Musikerin und Produzentin stellt für Sera Cahoone eine Art Zirkelschluss dar. Zum einen, weil sie wieder in den Schoß des Sub Pop-Labels zurückkehrt – das ihr 2008 mit der Veröffentlichung ihrer zweiten Scheibe „Only As The Day Is Long“ eine Chance gegeben hatte, dem sie aus Angst vor einem Impostor-Syndrom aber gleich wieder den Rücken gekehrt hatte. Und zum anderen, weil sie mit diesem Album einen Rückblick auf die letzten 20 Jahre im Form eines versöhnlichen Resümees darbietet. Sera Cahoone ist – so lässt es sich aus den neuen Songs heraushören – mit sich im Reinen und hat sich sowohl mit persönlichen wie auch geschäftlichen Tragödien arrangiert.
So bietet sie mit ihrem ebenso unspektakulären wie auch authentischen und effektiven Storytelling einen Einblick in ihr Seelenleben und ihr Mindset. Es gibt etwa Songs über den Verlust – etwa des Vaters oder ihres Hundes – aber auch versöhnliche Liebeslieder, unangenehme Eingeständnisse oder Lebensbeichten. Das ist dann sehr berührend, klug, aber nicht clever, empathisch, romantisch und inspirierend. (Jedenfalls für Menschen, denen ein solides Songwriting wichtiger ist als große produktionstechnische Gesten).
Musikalisch bewegt sich Sera Cahoone hier souverän auf einem Terrain, das sie mit erfunden bzw. etabliert hat. Es geht hier um eine gelungene und schlüssige Synthese aus Country-Flair und Indie-Rock-Attitüde, wie sie wohl nur jemand hinbekommt, der in den Genres so sehr zu Hause ist, dass es sich gar nicht mehr lohnt, hier nach Querverbindungen oder Abweichungen zu suchen: Die sind nämlich unwichtig. Am vielleicht schönsten bringt Sera Cahoone – unterstützt von ihrer langjährigen, ausgezeichneten Live-Band – das mit dem als Single ausgekoppelten Schlüsseltrack „Pulling Up Roots“ zum Ausdruck. Das ist ein Empowerment-Song, der davon handelt, sich am eigenen Schopf aus dem Mist zu ziehen – beziehungsweise die Wurzeln auszureißen, mit denen man metaphorisch festgewachsen ist – den Cahoone & Co. mit einem hinreißenden Mix aus augenzwinkerndem Honky Tonk-Drive und Indie-Rock-Sound als perfekten Genreclash-Hybriden präsentieren. Solche Momente gibt es auch bei anderen Tracks – wenngleich diese schon mal stärker in die eine oder andere Richtung tendieren.
Unter dem Strich ist das aber eine faszinierend runde Angelegenheit in Sachen 3 Chords & The Truth und sollte jedem Freund Story-orientierter Songwriter-Mucke ans Herz gelegt werden.
„I’ve Missed You All These Years“ von Sera Cahoone erscheint auf Sub Pop/Cargo.




