Ihr ganzes Leben lang war Alicia Witt ihrem Entdecker, Freund und Mentor David Lynch in symbiotischer Hinsicht verbunden. Seit er sie mit sieben Jahren als Golden Child in seiner Verfilmung des „Dune“-Romans von Frank Herbert besetzte, bis zu der Zeit, in der sie sich 2009 entschloss, sich neben ihrer Schauspiel-Karriere auch als Musikerin zu versuchen. Dabei ging es niemals um Karriere-Fragen oder stilistische Einflüsse, sondern um die Freundschaft, die die beiden ungleichen Künstler verband. Kein Wunder also, dass Alicia Witt mit ihrem neuen Album „Between Heaven And Earth“ dem 2025 verstorbenen David Lynch eine Art musikalischen Nachruf ins Reich zwischen Himmel und Erde hinterher schickt.
Das ist im Falle der Songwriterin und Performerin Alicia Witt leichter gesagt, als getan, denn als Musikerin hat sie sich eigentlich auf klassischen, Adult-oriented-Piano-Pop mit jazzigem Songbook-Charakter festgelegt. Sagen wir mal so: Rein formal und harmonisch löst sie sich auch auf diesem Album nicht wirklich von dieser Leitlinie. Es war deswegen gewiss eine coole Idee, sich den renommierten Weirdmaster Joe Henry als Produzent zur Unterstützung heranzuziehen. Der stülpte den Songs dann eine organisch musikalische Tarnkappe über und versetzte die Stücke mit abenteuerlichen, psychedelischen Soundeffekten, kirmesreifen organischen Arrangements und elektronischen Klangflächen, die die Tracks in ein bewusstseinserweiterndes klangliches Paralleluniversum hiefen. Dem Ganzen haftet eine unwirkliche, kindliche aber auch trunkene Ästhetik an, die David Lynch schon alleine deswegen gefallen hätte, weil man „so etwas ja eigentlich nicht macht“ – weil es eben so schräg und abgefahren rüberkommt (und dabei teils an Tom Waits erinnert).
Das Ganze beißt sich dann auf sehr unterhaltsame und witzige Weise mit dem geradlinigen, klassischen Vortrag der Künstlerin – so dass die Sache nicht ins Musical-Setting abgleitet (wie das wohl ohne Henrys Zutun möglicherweise der Fall gewesen wäre), sondern in albtraumhafte Seinszustände, die auch in Twin Peaks niemals fehl am Platz gewesen wären. Inhaltlich wiederum geht es eher gesittet zu, indem sich Alicia Gedanken über die Dinge macht, die auch dann noch von Bestand sind, wenn der Körper eines Menschen das Dasein bereits hinter sich gelassen hat (an erster Stelle natürlich die Liebe). Ohne Frage ist das ein Album, das alleine aufgrund der besonderen Konstellation in dieser Form entstehen konnte – und das die Musikerin Alicia Witt in einem ganz neuen Licht präsentiert.
„Between Heaven And Earth“ von Alicia Witt erscheint auf Alicia Witt Music/SPV.




