Es ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach, das expandierende Culk-Universum schlüssig zu greifen und zu kategorisieren. Schon lange agieren Sophie Löw, Johannes Blindhofer, Christoph Kuhn und Jakob Herber schließlich nicht mehr alleine entlang der LP-Veröffentlichungen und anschließenden Touren. Seit Sophie Löw mit ihrem Projekt Sophia Blenda schließlich ein zweites Standbein für ihr Songwriting geschaffen hat, sind die Grenzen noch weniger eng gefasst als früher – und eröffnen auch mehr Möglichkeiten für das Culk-Projekt. Dass das nun vorliegende, vierte Album der Wiener Band nun auch noch atmosphärisch draufsattelt und die projekt-inhärente Schwermut der vergangenen Jahre – zumindest teilweise – abschüttelt, macht das alles nun noch mal spannender.
Unerklärlich ist die Sache dennoch nicht, denn wie Sophie und Johannes mit diversen Aussagen in den letzten Jahren deutlich machten, ging es bei Culk noch nie um eine konsequente Fortführung oder gar Replikation des bislang Erreichten. Sophie etwa hatte schon bei den letzten Touren gezeigt, dass sie auf der Bühne – bei aller musikalischen Larmoyanz – auch ordentlich Freude am Performen haben konnte und Johannes meinte schon bei den Gesprächen zur letzten Scheibe, dass man doch nicht ausschließlich jede politische Äußerung auf die Goldwaage legen solle, denn letztlich solle ja die Musik von Culk vor allem auch Spaß machen. In etwa ist das jetzt auch die Zielrichtung mit der nun auch das Album „Smogstar“ angegangen wurde.
War das letzte Album „Generation Maximum“ noch eine Art Bestandsaufnahme jener Generation, die zurzeit dem drohenden Untergang Paroli zu bieten hat, so geht es auf dem neuen Album eher darum, die Umstände zu akzeptieren und sich die Freiheit zu nehmen, vielleicht auch mal positive Aspekte mitzunehmen. Die Zeile „Keine Schatten ohne Licht“ in dem Song „Willkommen in der Stadt“ stellt damit das Motto der Scheibe elegant in den Mittelpunkt. Denn selbst im Smog gibt es ja auch irgendwo Licht – ansonsten könnte man ihn ja nicht sehen.
Ein weiteres wichtiges Anliegen bei diesem Projekt war dann wohl auch, die eigene (musikalische) Band-Geschichte zu referenzieren, um sich in Songs wie dem auf Englisch vorgetragenen „Twenty Eighteen“ noch mal ins Gedächtnis zu rufen, warum man überhaupt gemeinsam musiziert. Und Sophie geht sogar noch so weit, zu behaupten, dass der Song „Kaputte Speaker“ das erste richtige Culk-Liebeslied sei – was es ja auch ist, auch wenn das den dystopischen Soundwänden, die den Refrain antreiben, jetzt nicht unbedingt romantische Aspekte zuweisen würde.
Apropos dystopische Soundwände: Die sind es dann auch, die den Spaß-Faktor auf der musikalischen Seite markieren, denn natürlich gehen Culk nicht so weit, performerischen Spaß mit poppiger Fröhlichkeit gleichzusetzen. Musikalisch sind dann auch ganz eindeutig Noise- und No-Wave-Einflüsse dominierend (auch als Grundrauschen) – und nicht mehr die Depri-New-Wave-Sounds von yonder. Irgendwo in der aktuellen Bio wird Sonic Youth als musikalische Messlatte angepriesen – und da ist dann schon etwas dran, denn so sperrig, rau und ungebügelt wie auf diesem Album klangen Culk ansonsten nicht mal auf der Bühne. „Unverkopfte Arrangements mit Intensität und Wucht“ nennt Johannes das dann – mit recht. Am Ende entpuppt sich „Smogstar“ dann als das bislang lebendigste und vor allen Dingen lebensbejahendste Culk-Album so far.
„Smogstar“ von Culk erscheint auf Siluh Records/Cargo.




