Also am Reißbrett geplant wurde das neue Ex:Re-Album von Elena Tonra (der Frontfrau der Londoner Band Daughter) gewiss nicht. Denn das erste Ex:Re-Album von 2018 war ja nur als kreativer Ausflug vom Bandgeschehen gedacht, um internalisierte Songideen zu verwirklichen, die da nicht so ganz gepasst hatten. Dann jedoch sammelten sich bei Tonra mehr solcher Ideen an – und wohl inspiriert von einem US-Aufenthalt entwickelte Elena zusammen mit dem Produzenten Fabian Prynn aus diesen Ideen eine erstaunlich persönlich gefärbte Scheibe.
Aus einer losen Sammlung von Erinnerungen und Gedanken, die sich im Laufe der Zeit aufgetürmt hatten, entwickelten Tonra und Fabian einen Songreigen, der Erstaunliches über die Künstlerin offenbart – beispielsweise in dem „Schlüsseltrack“ – einem „Folksong“ namens „Wasp“ -, in dem sich Tonra als Wespe präsentiert, der es nach Eiscreme gelüstet, und einen Stich wie kein anderer hat, wobei sie zu dem Schluss kommt, dass ihre Wut, die sie Menschen gegenüber empfindet, nur missverstandene Trauer sei.
Das ist dann ebenso seltsam wie schön. Musikalisch bewegt sich Tonra wie gewohnt im nachtschattigen emotionalen Zwielicht – fährt dabei aber so ziemlich alles auf, dessen sie und ihre Musiker mächtig sind: Grunge-Gitarren, Akustik-Gitarren, Streicher, Klavier, Synth-Bass, Electronica, Dreampop-Klangwolken, Drum’n’Beat Rhythmen und Weird-Folk-Einlagen. Ehrlich gesagt ist dieses Album dann erleuchtender und unterhaltsamer als die doch zuweilen zu geradlinigen Daughter-Elaborate.
„Save As“ von Ex:Re erscheint auf 4AD/Beggars Group/Indigo.




