Auf dem Bluesrock-Sektor tut sich ja für gewöhnlich nicht so viel – weil eben die meisten Blues-Rock-Recken ihre Klischees zur Religion erhoben haben und demzufolge kaum davon abweichen. Da freut man sich dann als Freund des Genres durchaus, wenn es Scheiben wie das neue Werk der britischen Songwriterin Joanne Taylor ans Licht der Öffentlichkeit schaffen, denn das besticht durch drei Merkmale, die das Werk aus der Masse diesbezüglicher Veröffentlichungen herausheben.
Das ist zum einen der Umstand, dass sie als Frau natürlich eine etwas andere Sichtweise auf dieses doch ziemlich Testosteron-getränkte Genre hat, als ihre männlichen Kollegen – und so geht es auf dieser Scheibe dann nicht darum, nach Schuhen zu suchen, die einem des Nächtens gestohlen wurden oder um Rezepte für Barbeque-Soße, sondern um die verschiedenen Aspekte der Liebe.
Dann orientiert sich Joanne Taylor tatsächlich nicht an den US-amerikanischen Spielarten des Genres, sondern lässt sich von den Vibes der britischen Blues-Welle der 70er inspirieren (auch wenn sie den Titelsong zusammen mit ihrem Labelboss Joe Bonamassa performt). Dabei zeigt sie mit einer gewissen Selbstverständlichkeit mit Songs wie zum Beispiel „Never Gonna Please ‚Em All“, dass sie mit den Besten um die Wette rocken kann – gleichwohl gerade dieser Song Joannes Arbeit als Songwriterin in einer Männerwelt beschreibt, die die schöne, erklärende Zeile „I turn my Heartache in a Work of Art“ enthält.
Und dann gibt geht es auf dieser Scheibe erneut nicht darum, die eigenen handwerklichen Fertigkeiten ins Zentrum zu stellen, sondern Geschichten zu erzählen. Und dazu ist Joanne Taylor jedes Mittel recht – auch musikalisch: „Hell Or High Water“ beginnt als echter Folk-Gospel-Track, bevor er dann ins Monumentale kippt. Das Celeste-Cover „This Is Who I Am“ kommt dann als bombastisches Drama-Pop-Monument daher, das auch als „James Bond“-Titeltrack nicht verloren wäre. „The Girl That You Loved Before“ lebt von überraschenden Pup-Rock-Vibes und das abschließende „Death Wish“ ginge ohne Weiteres auch als Psychedelia mit Wüstenrock-Flair durch. Letztlich sind das aber nur stilistische Hilfsmittel: „The Trouble With Love“ ist ganz klar eine Scheibe, bei der die Songs und Geschichten im Zentrum stehen – und nicht der Stil.
„The Trouble With Love“ von Joanne Shaw Taylor erscheint auf Journeyman Records.




