Gerade einmal ein Jahr ist vergangen, da folgt auf „Love“ mit „Hope“ ein weiteres Album der schwedischen Progressive-Rock-Band. Und dies erfüllt die Erwartungen der Fans des Genres erneut. Mit zwei schlankeren Stücken und zwei ausufernden Suiten: „World Spinning – The Final Curtain“ in klassischer LP-Seiten-Länge von knapp 20 Minuten, „Gods Of Rome“ breitet sich gar auf fast eine halbe Stunde aus. Vor einer Dekade angedacht, hatte Mastermind Roine Stolt ursprünglich eine weitere Kooperation mit Jon Andersen (ehemals Yes) im Sinn. Was lange währt, wird endlich gut – wenn man denn all den Windungen folgen mag. Das antike Rom dient als Metapher für ein die Zeitalter überdauerndes Thema: dem Streben nach Macht und daraus entstehende Konflikte zum Schaden der Menschlichkeit. Ohne konkret und politisch zu werden, geht es um eine turbulente Welt, in der Empathie, Vergebung und – als Wiederaufnahme des Mottos der Vorgängerplatte – Liebe unter die Räder kommen. Nun wird die Fackel der Hoffnung hochgehalten, um das Feuer der Liebe wieder zu entzünden. So ähnlich darf man sich die Botschaft der Blumenkönige vorstellen.
Dabei verrutscht schon das eine oder andere Sprachbild: „And when the leaves are turning brown / Like the costume of a lonely lonely lonely clown“. Manches bleibt recht allgemein und arbeitet mit zum Teil ziemlich abgegriffenen Redewendungen: „Wir ernten, was wir gesät haben“ oder „Liebe ist das Wunder“. Dann wird das Leben mit einer Schiffsreise verglichen und irgendwo zerbröselt ein Schloss aus Sand. „World Spinning – The Final Curtain“ erzählt in fünf Abschnitten keine Geschichte, sondern reiht gedankliche Versatzstücke aneinander, bleibt andeutungshaft und bietet damit ein Angebot, Leerstellen selbst zu füllen. Wenn Hans Fröberg sein mächtiges Organ erschallen lässt, glaubt man, eine Fortsetzung von Rick Wakemans „King Arthur“-Platte zu bekommen. Der Orgel-Auftakt zu Teil 2 verfestigt die Illusion. Danach geht es dann in den Flower-Kings-Garten mit dringlichem, mitunter operettenhaftem, oft mehrstimmigem Gesang, absteigenden Keyboardpassagen, bedeutungsschwanger dräuenden Gitarren, Klavier zwischen Glockenspiel und Klassik, martialischen Rufen. Es herrschen Angst und Hass, jemand greift zur Krone, Synthies geben das Geleit. Streicher führen in den vierten Teil ein, die E-Gitarre setzt ein, „We’ve been struggling all our lives“, wird geklagt. Zwischen Yes-Grandezza und Marillion-Zartheit im Abgang.
„In A World Of Fools“ glänzt mit einer Menge Pop-Appeal und fordert: „Give them love and light in a world of fools“ – wer immer sich angesprochen fühlen mag. 5:40 Minuten, ohne pompöse Soundlandschaften. Das weitgehend instrumentale „Mars & Minerva“ lebt von Lalle Larssons Keyboard-Ideen und dient als Epilog zu „The Gods Of Rome“. Im schmalen Text heißt es: „So you built your home / To shine like the Gods of Rome.“ Aber die Flower Kings bleiben sich treu. Part 1 des siebenteiligen Opus‘ stellt noch eine auf einem schwedischen Volksmusik-Thema basierende, im positiven Sinne bombastisch aufgeblasene Ouvertüre voran, bevor Geigen und jubilierende Keyboards den Hörer in eine pastorale Landschaft begleiten; Stolts feierliche E-Gitarre gesellt sich hinzu. Der Mensch hat schließlich eine hehre Aufgabe: „You’re not the one to give up before you know / You’re here to show the world before you go“. Also: „Stand up for the free world“! Teil 3 pfeift die böse Welt hinweg. „Am Anfang war dieses Wort“, singt Stolt und meint natürlich das Wort „Liebe“. Nicht ganz wie in der Bibel oder bei Faust. Teil 4 beginnt mit Stimmen-Pingpong und gerät poppig. Die Appelle „Save your hope and your grace“ und „Find your light“ muss man nicht religiös lesen. Teil 5 überrascht mit Aliaksadr Yasinkis Akkordeon, und im sechsten Abschnitt wird ziemlich geradeaus gerockt. Der Schlussteil fährt noch einmal alles auf: Streicher, flirrende Synthies, das Akkordeon, Queen-artige Chorgesänge, inspirierte Gitarrensoli. Am Ende steht der Wunsch: „If we could rewrite the borders / If we could refill the waters!“
Die Flower Kings retten ein wenig Blumenkinder-Mentalität aus der Flower-Power-Zeit hinüber ins Jetzt. Man muss sich einlassen wollen auf die mitunter überbordende instrumentale Vielfalt, die immergrünen, aber nicht zum ersten Mal gehörten Botschaften, die famosen Chorsätze bis zu den aus voller Brust gesungenen Heldengesängen, aber eben auch die romantisierende Zurückgenommenheit, die dem geneigten Fan in dieser knapp einstündigen Entdeckungsreise begegnen. Dazu wird – wie schon für „Waiting For Miracles“ und „By Royal Decree“ – ein Cover von Kevin Sloan gereicht, dessen surrealistische Tiermetaphorik entschlüsselt werden darf.
„Hope“ von The Flower Kings erscheint auf InsideOutMusic/Sony Music.




