Ursprünglich kommt die Wahlberliner Drummerin und Songwriterin (in dieser Reihenfolge) Eilis Frawley aus Australien – hat sich aber in der Berliner Musikszene durch ihre zahlreichen Kollaborationen sozusagen unentbehrlich gemacht und ist sogar zu einem integralen Bestandteil dieser Szene geworden. Hatte sie zuvor beispielsweise als Taktgeberin bei Laura Lee & The Jettes oder in der Band von Anika (Henderson) am Drumkit gesessen, so entwickelte sie 2025 über ihr Debüt-Solo-Album „Fall Forward“ ein Projekt, bei dem sie auch ihre songwriterischen Ambitionen verwirklichen konnte. Später im Jahr zeigte sie zusammen mit Jean Louisa Parker und Sally Brown (wie sie Fixpunkte der internationalen Berliner Szene), dass das Ganze auch auf der Bühne prächtig funktionierte.
Bei all dem gab es allerdings ein interessantes Problem kreativ zu lösen: Eilis ist bei ihrem Solo-Projekt sowohl Drummerin wie auch Vokalistin – die sich allerdings konsequent weigert, zu singen, sondern ihre Lyrics rhythmisch am Drum-Beat orientiert als Rezitativ präsentiert (und das ganz ohne Rap- oder HipHop-Bestandteile). Wie das nun vorliegende zweite Album „Twist My Words“ nun eindrucksvoll beweist, liegt das keineswegs daran, dass sich die der Popmusik oder der HipHop-Ästhetik verweigert, sondern daran, dass sie die Sache aus einer anderen Richtung angeht. Logischerweise ist der Beat bzw. der Groove das, worum sich bei Eilis alles dreht und wendet – und der kommt eben nicht vom Pop sondern vom Kraut- und Indie-Rock.
Die teils recht politisch ausformulierten Songs schrieb Eilis bei einem Aufenthalt im heimatlichen Australien, wohin sie zurückkehren musste, um mit ihrer Mutter den kranken Vater zu pflegen. (Ein Thema, das Eilis in dem Track „Come Back“ aufgreift.) Das Material wurde dann in Berlin fertig gestellt – weitestgehend alleine, aber mit der Hilfe von ein paar Freunden (da auf der Scheibe Viola, Bass und Gesang zu hören ist, darf davon ausgegangen werden, dass Jean-Louise und Sally auch hier mit dabei waren). Dennoch: Es ist vor allen Dingen bemerkenswert wie viel Eilis Frawley auf diesem Album musikalisch mit wenigen Zutaten zustande bringt.
Im Wesentlichen basieren die Songs allesamt eben auf Grooves und Eilis’ Spoken-Word-Delivery. Der „Pop-Faktor“ – also eine gewisse Zugänglichkeit – kommt dann durch die Strukturierung der Songs und die Art der Präsentation; denn obwohl Eilis mit Krautrock-Motorik, Postpunk-Drive und eben Spoken Word arbeitet, hält sie nicht viel von Monotonie, sondern sorgt immer wieder für musikalische Abwechslung – die mal über Samples, mal über Pads, mal als Bassläufe und mal als lautmalerische, psychedelische Streichersounds realisiert wird.
Es gibt dann noch einen interessanten Aspekt den fehlenden Gesang betreffend: Indem Eilis ihre Worte bewusst deutlich artikuliert, kann ihr diese auch niemand so schnell im Mund umdrehen (was vielleicht auch durch den Titel des Albums zum Ausdruck gebracht werden soll) – und des Hörers Ohr wird so auch auf die gewählten Themen gelenkt: Kolonialismus, Moral, soziale Ausgrenzung, Empowerment, Schuld und Sühne, politische Verantwortung, AI-Farming, Information Overkill, Schlangen und FLINTA* – you name it: Eilis Frawley hat zu fast allem und jedem etwas zu sagen; und das ist dank des gewählten Konzeptes dann auch deutlich zu verstehen.
„Twist My Words“ von Eilis Frawley erscheint auf Sinnbus Records/Virgin.



