Ganze vier Jahre ist es her, dass Charlotte „OC“ Mary O’Connor 2021 – mitten in der Pandemie – ihr drittes Album „Here Comes Trouble“ veröffentlichte. Dass es so lange dauerte, bis nun zumindest mal eine neue EP im Kasten war, kann aber nicht alleine mit den Umständen der Covid-Zeit zu tun haben – jedenfalls dann nicht, wenn die Lyrics der fünf neuen brillanten Alt-Pop-Tracks autobiographisch sind (wovon ja auszugehen ist). Denn darin rechnet die britische Songwriterin mehr oder weniger konsequent (aber zum Glück mit einem gewissen Augenzwinkern) mit der Liebe ab, berührt Themen wie Verlust, Trauer oder Resilienz und analysiert genüsslich, schonungslos, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit und eher im Plauderton die Pitfalls und Komplikationen, die zu Missverständnissen, Schuldzuweisungen oder Illusionen – kurz zum Scheitern von zwischenmenschlichen Beziehungen führen können. Zweifelsohne zeigt Charlotte so, dass sie – lange Pause hin oder her – nach wie vor zu den elegantesten und authentischsten Lyrikerinnen ihrer Zunft gehört (und gesanglich zu den emotionalsten und inbrünstigen).
Auch musikalisch zeigt die Britin auf dieser EP die ganze Palette ihrer Fähigkeiten und bietet fünf ziemlich unterschiedliche Varianten ihres nach wie vor eher schwelgerisch und cinematisch angelegten Big-Music-Sounds. Die unter dem Eindruck des Todes ihres Vaters entstandene Lead-Single „God We Tried“ überrascht etwa mit Tribal-Grooves und hymnischen Backing-Chören. „Romeo“ kommt mit stoischer Ausgeschlafenheit und einer gewissen Unerbittlichkeit daher. „The Letter“ erscheint als balladesker Noir-Gospel-Torchsong. „Cider and Black“ ist klassischer Northern-Soul mit Bläsern, Harfen und Piano-Einlagen und die abschließende Ballade „Strange Influence“ bietet ein souliges Dreampop-Setting mit psychedelischem Flair.
Charlotte’s letzter EP „Oh The Agony, Oh The Ecstasy“ folgte ein Jahr später dann ihre letzte LP. Hoffentlich ist das dieses Mal auch wieder so – denn von dieser Art von musikalischer Selbstdarstellung kann es eigentlich gar nicht genug geben.
„Seriously Love, Go Home!“ von Charlotte OC erscheint auf Embassy Of Music.