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Weil alles brennt
Besonders oft ist Melody Prochet mit ihrem Bandprojekt Melody’s Echo Chamber ja wirklich nicht in unseren Breiten unterwegs – und da wunderte es nicht so recht, dass das Kölner Gebäude 9 bei Melodys Show recht gut gefüllt war, obwohl das aktuelle Album „Unclouded“ bereits im letzten Jahr veröffentlicht worden war. Interessanterweise beschränkte sich die Zusammensetzung des Publikums dann nicht (wie in Köln bei Konzerten mit frankophilem Hintergrund üblich) auf französische Studenten, sondern stattdessen fanden – trotz des parallel laufenden c/o pop-Festivals – auch viele jüngere Indie-Rock- und Psychedelia-Fans den Weg nach Köln Deutz, um mit Melody’s Echo Chamber eine fast schon ausgelassene Retro-Psych-Pop-Party zu feiern.
Der Umstand, dass die Fans dann eh schon auf bewusstseinserweiternde Mind-Trips eingestellt zu sein schienen, kam der Londoner Musikerin Victoria Hamblett entgegen, die als Support Act einige Songs ihres noch neuen Projektes A Ghost Column zur Einstimmung präsentierte. Für gewöhnlich ist A Ghost Column (eine Referenz auf das Gedicht „A Birthday Present“ von Sylvia Plath) ein Bandprojekt, das Victoria mit ihrem musikalischen Partner Syd Kemp realisiert. Aus Budget-Gründen war sie auf dieser Tour allerdings solo unterwegs und präsentierte die recht aufwendig arrangierten Backing-Tracks ihrer noch in Entstehung befindlichen Tracks dann vom Trigger-Pad aus. Es gab dann einige klangliche Probleme, denn da Victoria ohne eigenen Tontechniker angereist war, geriet der Soundmix aufgrund des liberal eingesetzten Hall- und Delay-Effekten auf den Vocals dazu, dass Victorias Ansagen kaum zu verstehen waren und der Gesang im allgemeinen Klangwolken-Sound eher unterging. Musikalisch orientiert sich Victoria erkennbar an Vorbildern wie Stereolab und/oder den Cocteau Twins, legt aber Wert darauf festzuhalten, dass es ihr eher um Melodien als um psychedelische Klangräume geht. Bislang hat Victoria nur einige Demos und Single-Titel wie „Resistance“ veröffentlicht (ein Song, der Victorias Ansprüchen in dieser Hinsicht auch gerecht wird) – arbeitet aber gerade an einer ersten LP, die für den Herbst angedacht ist. Die Show im Gebäude 9 betrachtete Victoria noch als Testballon, um sich allmählich an ein geeignetes Setting heranarbeiten zu können. Als musikalische Visitenkarte war diese Show dann auch weniger geeignet, da sich im Band-Kontext sicherlich ganz andere klangliche Möglichkeiten eröffnen werden, als jene, die im Gebäude 9 griffen. Rein musikalisch passte das, was Victoria – hier noch eher skizzenhaft – präsentierte, ganz gut zum Psychedelia-Thema des Abends und wurde demzufolge freundlich aufgenommen.
Als Melody Prochet und ihre Musiker nach einer zwar notwendigen, aber doch ziemlich langen Umbaupause die Bühne betraten, machte sie von den ersten Tönen des Songs „Eyes Closed“ von der aktuellen LP deutlich, worum es gehen sollte: Um Spaß an der Freude, Party-Stimmung und improvisatorisches Miteinander im Jam-Stil. Den Mikrofon-Ständer betrachtete Melody dabei eher als Option und genügte sich streckenweise darin, ganz ohne Gesangseinlagen auf der Bühne herumtanzend ihren Musikern zuzuschauen. Dazu gab es dann mehr als genug Gelegenheit, denn auch die folgenden Tracks vom neuen Album wie „In The Stars“, „Flowers Turn Into Gold“ und besonders „Burning Man“ (ein Song, den Melody nicht als Hommage an das Festival geschrieben hatte, sondern weil die ganze Menschheit langsam in Flammen stünde, wie sie einleitend erklärte) wurden dann im Jam-Modus gegeben.
Drummer Malcom Cattos befeuerte die ganze Sache dann mit hochenergischen Drum’n’Bass-Attitüden aus dem Hintergrund, während sich die Gitarristen Benjamin Glibert (Auqaserge) und der Schwede Reine Fiske (Dungen) sich geradezu verbissen an ihren meist rhythmisch orientierten Gitarrenduellen abarbeiteten. Die ansonsten in der Psychedelia oft anzutreffenden Vibrato-Breitwände sucht man in der Musik von Melody’s Echo Chamber vergeblich – was der Sache aber auch eine gewisse transparente Leichtigkeit und nicht zuletzt einen frankophilen Touch verleiht, auch wenn viele Tracks auf Englisch dargeboten werden.
Nun ließe sich ja annehmen, dass sich so viel Jam-Seligkeit mit der Zeit totlaufen würde – doch weit gefehlt. Da waren dann zum Beispiel die zurückhaltender strukturierteren Titel wie „Childhood Dream“ oder „Memory’s Underground“ vom „verschollenen“ Album „Unfold“ davor – wie auch die sphärischer angelegten Nummern wie z.B. „Quand Vas Tu Rentrer“ vom Debütalbum, die Single-Nummer „Le Temple Volant“ und vor allen Dingen das ursprünglich mit El Michels Affair geschriebene „Daisy“, das ganz zum Schluss der zugabenlosen Show als absolutes Highlight gegeben wurde, diese eher Song- als Sound-orientierten Tracks kamen dann gar mit Dreampop-Qualitäten und Francoise Hardy-Touch daher. Balladeske Momente wie beispielsweise bei dem Track „Broken Roses“ gab es dann auch noch und bei „Some Time Alone“ und „Pêcheuse de Lune“ vom Debüt gab es dann sogar so etwas wie Psych-Rock zu hören – freilich versehen mit der von Stereolab dereinst etablierten Art der verstiegenen Harmonieführungen.
Wie bereits gesagt verzichteten Melody’s Echo Chamber auf eine Zugabe – dafür kam Melody Prochet aber gleich nach der Show zum Merch-Stand (wo es allerdings seltsamerweise keinerlei Tonträger zu erwerben gab) und stand den Fans für Selfies zur Verfügung. Insgesamt lieferten Melody’s Echo Chamber mit dieser Show eine ziemliche Vollbedienung in Sachen Psychedelic-Mind-Trip und boten dabei einen relativ umfassenden Überblick über das gesamte Schaffen von Melody Prochet – wobei allerdings die Alben „Bon Voyage“ und „Emotional Eternal“ seltsamerweise vollkommen ausgeklammert wurden.





















