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Rockiger Tour-Auftakt
Vor 13 Jahren veröffentlichte Todd Thibaud mit „Waterfall“ sein letztes Rockalbum, gar 15 Jahre mussten seine Fans in der Region Hannover warten, dass der Amerikaner einmal wieder in der Blues Garage vorbeischaute. Dafür nun aber zum Auftakt einer ausgedehnten Deutschland-Tour. Mit seiner Band präsentiert er sämtliche Songs des brandneuen Albums „Alchemy“ und einen Querschnitt durch seine über 30-jährige Singer/Songwriter-Karriere, die bei den Courage Brothers begann, einen Abstecher zur Indie-Supergroup Hardpan unternahm und Duo-Projekte mit Joseph Parsons, Sean Staples und Kim Taylor alias Water And Sand beinhaltet. In Isernhagen gibt es eine krachende Roots-Rock-Show in zwei Sets. Als Garagen-Chef Henry Gellrich die Band nach drei Zugaben bereits abmoderiert, holt der anhaltende Applaus Thibaud und seine Mitstreiter noch einmal auf die Bühne zurück.
Bei vielen Stücken greifen mit Thomas Juliano, Sean Staples und Thibaud selbst gleich drei Musiker zur E-Gitarre. Das knallt besonders zupackend von der Rampe beim Riff-Monster „Fight Or Flight“, welches zudem noch einen Kommentar zur politischen Lage heraushaut. „Common sense is underrated“, stellt der Bostoner lakonisch fest. „Savior“ kategorisiert er selbst als Rock ‘n‘ Roll Gospel, „That Wasn’t Me“ und „Waterfall“ legen mehr Gewicht auf Folkrock. Staples spielt meist die Mandoline, was viel Americana-Flair hineinbringt und bei „Is It Love?“ ein wenig von R.E.M.s Sound à la „Losing My Religion“. „Wait For Me“, die einzige Ballade des neuen Albums, zeigt Juliano mit Tremolo-Effekt an den Saiten und Thibaud stimmlich als Meister ruhiger, ausbalancierter Melodien. Mit entspanntem Twang kommt ohrwurmige „Good Things Now“ daher.
Ed Valauskas am Bass und Chris Anzalone am Schlagzeug sorgen für ein solides Rhythmusgerüst. Bei den Rockern wählt Anzalone einen meist geradlinigen Beat mit reichlich Punch. Selbst wenn es ordentlich zur Sache geht, schälen sich immer wieder eingängige Refrains heraus, getragen von mehrstimmigem Gesang. Zwischendurch diskutiert Staples über deutsche Biersorten. Thibaud hingegen verweist stolz auf das Cover des aktuellen Albums auf der Kick-Drum. Dies sei ein Geschenk von seinem früheren musikalischen Partner Joseph Parsons, der heute in Mecklenburg-Vorpommern wohnt. Dessen Ehefrau Anna ist Grafikdesignerin, hat die Folie in ihrer Firma hergestellt und sie Thibaud bei einem Besuch in Parchim überreicht.
Mit einem rockigen Dreigestirn, darunter die neuen Stücke „Follow“ und „Heaven On The Move“, geht die Band auf die Zielgerade. Schneidende Akkorde, loderndes Gitarrenfeuer, mehrstimmige Powerpop-Refrains. Thibaud lobt Springsteens Anti-Trump-Protestsong („Streets Of Minneapolis“) und wünscht sich eine Welt des Respekts, der Nächstenliebe und des Friedens. Von den Zugaben gefallen besonders das folkige, von Staples Mandoline geprägte „Anywhere“ und das poppige Heartland-Rock-Cover von Tom Pettys „Walls“. Thibaud ist ein ausgezeichneter Sänger, dessen Stimme durchaus handfest angeraut zu klingen weiß. Dass Thibaud als Mittsechziger immer noch weitgehend unter dem Radar fliegt, könnte daran liegen, dass seinem Gesang die nölige Nonchalance eines Tom Petty oder die kratzige Brünstigkeit eines Bruce Springsteen abgeht. Was der Qualität des Vortrags von Todd Thibaud und seiner Band keineswegs abträglich ist. Wer sich selbst überzeugen will, hat dazu noch reichlich Gelegenheit, führt die Tour schließlich durch insgesamt 25 bundesdeutsche Orte.



























