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Demokratische Romantik
Das letzte Mal, als die Rosa Hoelger Bande (also neben Rosa selbst Judith Retzlik, Lewin Grosse und Tommy Schwarzbach) in Köln gewesen war, tobte noch die Pandemie, sodass sie ein Live-Konzert vor leerem Raum spielen musste. Das war zum Glück bei der Show in der Kölner Wohngemeinschaft, bei der Rosa & Co. ihre erste „richtige“ Banden-LP „Fuer immer Gummistiefel“ abfeierten, dann doch etwas anders. Die eigentlich entstuhlte Wohngemeinschaft war nämlich so gut gefüllt, dass die hinten im Raum stehenden Zuschauer darauf drängten, dass sich die weiter vorne stehenden hinsetzen sollten, damit sie auch etwas sehen konnten. „Wir arbeiten hier mit drei Verwarnungen“, meinte Rosa, bis sich dann auch die letzten Zuschauer, die noch vor der Bühne gestanden hatten, auf dem Boden Platz nahmen.
Dann konnte es auch schon losgehen – denn Rosa und ihre Bande waren ohne Support-Act angereist. Es blieb dann also genügend Zeit, die Songs der LP zu feiern und auch ältere Tracks anzustimmen – wie zum Beispiel solche von den EPs „Dieses Verdammte Gefühl“ und „Birnen“ (die Rosa vor kurzem als Deluxe-Version mit Text-Poster auf einer CD zusammengefasst hatte). Los ging es mit einer Singalong-Version des EP-Titels „Wir hatten eine schöne Zeit“, die die Bande mit einer gewissen Augsburger Puppenkisten-Attitüde präsentierten. Das war dann aber nur zum Aufwärmen gedacht. Spätestens mit dem Titeltrack der „Gummistiefel“-LP und dem auf dem Tonträger zusammen mit Dota Kehr (die ja aus einem ähnlichen Gemütsuniversum zu zapfen scheint wie Rosa Hoelger) eingespielten Track „Sterne sehen“ zeigten Rosa und die Bande, dass sie sich vielleicht selbst nicht ganz so ernst nehmen, wohl aber ihre Musik. Und so gab es dann im Folgenden ein stilistisch erstaunlich breit gefächertes Angebot zwischen Liedermaching, Indie-Pop und teils dar psychedelischem Freistil.
Logischerweise wurden die Songs aber nicht einfach so hingenudelt, sondern liebevoll umspielt, getweakt, geformt und somit auch ganz anders ausgeführt, als auf den Tonträgern. Das fing dann an mit der Elegie von der „Guten Seele“ (die mit einem sehnsüchtigen Seufzer vom Publikum begrüßt wurde) und die hier mit Band-Unterstützung gegeben wurde und endete noch lange nicht, als Rosa ganz zum Schluss dann auch endlich den Song „Winter in Spechte“ spielte – nach dem Ungeduldige schon lange gefragt hatten. Zwischendurch gab es dann immer wieder Eskapaden, als sich die Musiker an den Instrumenten abwechselten – und allzuoft die Bassistin/Geigerin/Sängerin Judith Retzlik zum Ziel von musikalischen Späßen wurde – etwa als sie von Rosa bei der mit Schmackes gegebenen Indie-Pop-Nummer „Romantik zu Kitsch“ gebeten wurde, ein (übrigens brillantes) klassisches Geigensolo zu spielen und später – weil sie ja auch Trompete spiele, diese aber nicht dabei habe, bei dem eigenartigen Spoken-Word Elaborat „Wow, du bist ein Mensch mit Ambitionen“ stattdessen zur Blockflöte griff.
In der Mitte der Show gab es dann eine spontane Zigarettenpause (die natürlich nach demokratischen Prinzipien beschlossen wurde) – was auch deshalb eine gute Idee war, weil just an diesem Tag die Klimaanlage in der Wohngemeinschaft ausgefallen war und die Luft dann doch ziemlich stickig geworden war. In der zweiten Hälfte der Show ging es dann um die ernsteren Themen – wie z.B. das Anti-Mysogionie-Manifest „23 Wow“ oder Rosas Ode an Menschen, die vorgeben, „Keine Probleme“ zu haben. Und dann gab es mit dem EP-Track „Dirt In The Ground“ auch noch einen einzelnen Track auf Englisch – und der ging dann auch gleich in Richtung Indie-Rock.
So: Bewerten soll man das ja alles nicht und Ratschläge braucht Rosa ja sowieso keine – aber Spaß machte die ganze Sause dann schon. Besonders auch deshalb, weil die amüsanten Einlagen und das unkontrollierte Stage-Banter niemals zur Comedy-Veranstaltung ausarteten, sondern dann schon die Ernsthaftigkeit der musikalischen Umsetzung im Zentrum stand.



























