Share This Article
Darkness on the Edge of Town
Also, um ehrlich zu sein, liegt das Grevenbroicher Café Kultus eher in der Mitte, als am Rand der Stadt, und richtig dunkel war es auch noch nicht, als die italienische Songwriterin Charlie Risso mit ihrem Gitarristen Robin Manzini und dem neuen Drummer Davide Chiogga die Bühne betrat – aber thematisch passt der Titel dieser Story dann doch zu der Show, denn zumindest in der Musik von Charlie Risso wird es niemals so richtig hell. (Die EP „The Light“ von 2022 muss wohl ein Versehen gewesen sein.)
Die Stadt, um die es Carlotta „Charlie“ Risso in ihren Songs geht, ist dabei Genua – wo sie ursprünglich herkommt und über die sie in ihrem Song „Hollow Town“ von ihrer zweiten LP „Tornado“ sie dann auch singt. Der Song (und wohl auch die Stadt Genua) sind dann auch wieder düster und dunkel. Bei der Show in Grevenbroich präsentierte Charlie den Song dann auf der akustischen Gitarre – und irgendwie war es dann auch dieser Track, der in der Mitte des Sets den Anker der Show bildete. Denn man muss wissen: Charlie Risso ist ein Kind der Nacht. Nicht unbedingt im richtigen Leben – denn da ist sie eine charmante Plauderin mit einem eher sonnigen Gemüt – aber konzeptionell, musikalisch und wohl auch was ihr grundsätzliches Mindset betrifft.
Kein Wunder also, dass der australische Darkmaster Hugo Race sich erbötig zeigte, 2024 Charlies drittes Album „Alive“ zu produzieren (nachdem er schon einige Zeit seine Zelte in Italien aufgeschlagen hatte). Und auf der neuen Scheibe „Rituals“ war es Brian Lopez, den Charlie Risso gewinnen konnte, den Track „Let’s Move Somewhere Else“ mit ihr zusammen zu schreiben und dann auch als Duettpartner zu begleiten.
Natürlich waren weder Hugo Race noch Brian Lopez in Grevenbroich gegenwärtig – aber deren Geist schwebte schon irgendwie über dem ganzen Set. Worum aber geht es eigentlich musikalisch bei Charlie Risso? Nun, sie hat sich einer ganz eigenen Auslegung des Darkwave-Gedankens verpflichtet, die im Wesentlichen klanglich auf entsprechenden Americana- und Alt-Folk-Traditionen basiert, auch wenn der Großteil der Tracks in Grevenbroich auf elektrischer Basis präsentiert wurden.
Die elektronischen Elemente, die besonders ihr vorletztes Album „Alive“ – aber auch „Rituals“ – geprägt hatten, wurden hier auf ein funktionales Mindestmaß zurückgefahren – entweder indem Drummer Davide ein paar Bass-Sounds abrief, wenn Robin Gitarre spielte, oder indem ein paar Keyboard-Effekte über die Gitarren beigesteuert wurden. Fehlen taten diese elektronischen Sounds dabei keineswegs, denn Charlie Risso macht eigentlich Gitarrenmusik.
Das Set war dabei nach dramaturgischen Gesichtspunkten aufgebaut. Charlie & Co. arbeiteten sich mit eher balladesken Titeln wie „Bad Instinct“, „I’m Coming“ und „Railroad“ vor, legten dann mit einer Phase nach, in der Charlie von der elektrischen zur akustischen Gitarre wechselte und ließen gegen Ende der Show vermehrt druckvolle, rockige Nummern wie „Burning The Ashes“, „Alive“ oder „The Dust“ einfließen. Der letzte Titel im offiziellen Block war dann – wer hätte etwas anderes vermutet – „Dark“ vom „Tornado“-Album, mit dem Charlie Risso ansonsten die Show gerne eröffnete. Dass es im Mittelteil der Show dann das Cover des Songs „Ain’t No Grave“ von Johnny Cash – immerhin dem ersten Man In Black – den Weg auf die Setlist gefunden hatte, dürfte dann auch niemand wundern – auch wenn Charlie Risso eigentlich mit Gospel-Blues dieser Art gar nicht so viel am Hut hat. Für Johnny Cash machte Charlie Risso da mal eine Ausnahme und blieb vergleichsweise nahe am Original (das auch der Titeltrack des letzten Albums der „American Recordings“-Serie ist).
Performerisch wurde das Ganze ohne große Effekte und Gesten – aber handwerklich durchaus beeindruckend versiert dargeboten. Ab und an durfte Robin Manzini ein paar psychedelische Schlenker ins Spiel bringen – ansonsten überzeugte aber die schnörkellose Art, mit der die Tracks in Szene gesetzt wurden. Charlie war es dabei wichtig, die akustischen Elemente stärker als auf den LP-Produktionen zu betonen – eine Ästhetik, die sie auch auf ihrem nächsten Album wieder stärker ins Auge fassen plant.
Insgesamt war die Show unterhaltsam, kurzweilig und abwechslungsreich – und längst nicht so düster und depressiv, wie es angesichts des Grundthemas hätte sein können. Das mag auch daran gelegen haben, dass Charlie Risso hier nicht vor einem klassischen Gothic- und Darkwave-Publikum aufspielte, sondern vor interessierten Musikfreunden, die hier etwas Neues für sich entdeckten, was sich unmittelbar auf die gelöste Atmosphäre auswirkte.














