„We Disappear“ nannten The Thermals ihr letztes Album im Jahre 2016, nur um den Titel kurz darauf tatsächlich in die Tat umzusetzen. In der Zwischenzeit ist Mastermind Hutch Harris mit einigen Solowerken, einigen wenigen Konzerten im Alleingang und als bildender Künstler mit einem Faible für handgefertigte Collagen in Erscheinung getreten, aber die Rückkehr seiner nicht nur von uns viel geliebten Band schien lange ungewiss.
Mit „Under Crushing Rain“ melden sich The Thermals nun zurück – wenngleich erst einmal nur Harris an Bord ist (die langjährige Bassistin Kathy Foster steuerte immerhin das Artwork bei).
Wie einst das sagenumwobene Debüt „More Parts Per Million“ spielte der in Portland, Oregon, heimische Musiker die zehn von ihm geschriebenen Songs des neuen Werkes komplett im Alleingang ein und kehrte dabei bewusst zum ungeschliffenen, rotzigen Lo-Fi-Analog-Sound der Anfangstage zurück, der auch Alben wie „Fuckin‘ A“ oder „The Body, The Blood, The Machine“ zu unzerstörbaren Klassikern machte.
Deshalb donnern gleich die ersten beiden Songs, „Good Morning Fellow Scavengers“ und „A Dark, Dark Place“ aus den Boxen, als sei die Zeit in den letzten 20 Jahren stehengeblieben, bevor Songs wie „Spirit Collector“ und vor allem „I Will Be Delivered“ aufzeigen, dass sich Harris’ musikalischer Fokus in den vergangenen Jahren womöglich etwas verschoben hat.
Denn wenn er früher seine gewohnt scharfzüngige, konsum- und autoritätskritische Lyrik vor allem in kompakte, schnörkellose Garagerock-Hymnen goss, sind dieses Mal auch deutlichere Schlenker zum Power-Pop der 70er und Beat-Pop der 60er erlaubt.
Am Ende wird „Under Crushing Rain“ so zu einem – Verzeihung für das Klischee – Blick zurück nach vorn, wenn Harris die Sturm-und-Drang-Phase der frühen Jahre als Ausgangspunkt nimmt, um zu definieren, was The Thermals 23 Jahre nach ihrem Debüt sein können und sollen.
„Under Crushing Rain“ von The Thermals erscheint auf Static Catsup Aspic.




