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Worpswede Girls
Andy Platts hat gleich zwei Bands am Laufen, und man mag sich nicht entscheiden, welche man besser findet. Zusammen mit dem Gitarristen Shawn Lee steht er Young Gun Silver Fox vor, die eher in Richtung Yacht Rock tendieren, während Mamas Gun im Soul und Funk zu Hause sind. Die Briten orientieren sich an amerikanischen Vorbildern wie Marvin Gaye, Bill Withers und Stevie Wonder und mit ihrem vierstimmigen Gesang an Vocal-Groups wie den Temptations, den Four Tops oder den Dramatics. Auch an die englische Band Jamiroquai mag sich mancher erinnert fühlen. Mamas Gun machen daraus allerdings einen eigenen, zeitlosen Sound, den 550 Gäste in der rappelvollen Music Hall im Künstlerdorf Worpswede genießen wollen.
Bei Young Gun Silver Fox sitzt Platts am Keyboard, als Frontmann von Mamas Gun hat er diesen Part an Dave Oliver abgegeben, greift ab und an zur Rhythmusgitarre, gern zum Tambourin und konzentriert sich sonst auf seinen Gesang. Und diese Stimme vermag Großartiges, wenn Platts mühelos in Falsetthöhen gleitet – z. B. bei „Food For The Flames“ oder „Strangers On A Street“. „Joy“ bereitet tatsächlich Freude und erinnert an Stevie Wonder. Das recht ruhige „Living On Mercy“ phrasiert Platts fast jazzig, so wie Oliver ein inspiriert-improvisiertes Jazz-Piano-Solo in „Phantom Love“ einbaut und das Stück zudem mit seiner flirrenden Hammond-Orgel veredelt. Das funkige „DIG!“, Titelstück der aktuellen Platte, beendet er hingegen mit spacigen Synthesizer-Effekten, lässt sich dafür feiern und wirft mit einem Grinsen Kusshände ins Publikum. Gerade Olivers Beiträge bringen live einen Mehrwert gegenüber den Studioaufnahmen, bei denen mitunter auch Bläser zu hören sind, auf die bei den Konzerten verzichtet wird.
„The Hardest Yards“, „I Need A Win“, „We“ und das von Oliver mit dem Schlagzeuger Chris Boot komponierte „First Time (In A Long Time)“ sind groovige Soul-Nummern, wie sie die schwarzen Gesangsgruppen der 1970er und -80er Jahre nicht besser hinbekommen haben. Dazu die perlenden Tastenläufe Olivers, der aussieht wie der junge Sportreporter Ulli Potofski. Die „London Girls“ werden – das bietet sich an – zu den „Worpswede Girls“, Cameron Dawsons Funk-Bass pumpt. „You Make My Life A Better Place“ gerät zum gegenseitigen Motto: Mamas Gun bereiten den Fans ein wunderbares Konzert, zu dem das Publikum durch Mitschnipsen, Tanzen, Singen und Klatschen seinen Teil beiträgt.
In der dreiteiligen Zugabe des 90-minütigen Auftritts prägt Gitarrist Terry Lewis, dessen prägnante Soli immer songdienlich bleiben, mit Wah-Wah-Klängen das einzige Cover des Abends: „Lady Day And John Coltrane“ von Gil Scott-Heron. Das poprockige „Golden Days“ endet in einem Na Na Na Na Na-Publikumschor, der zweimal wiederaufgenommen wird, als das Stück bereits beendet zu sein scheint. „This Is The Day“ feiert am Ende einen ganz besonderen Abend in der Music Hall.




















