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Orange Blossom Special 2.0
Sowohl der kanadische Songwriter Jerry Leger als auch seine Partners in Crime Suzan Köcher und Julian Müller c/o Suzan Köcher’s Suprafon und auch die schottische Rockband Wrest waren – nicht eben zufällig – auf dem diesjährigen Orange Blossom Festival zu Gast (auch die Acts Personal Trainer, Engin und Marlon Grosshardt, die an den anderen Tagen des Rockpalast-Festivals spielten, gehören zu dieser Spezies). Das hängt damit zusammen, dass Rembert Stiewe – seines Zeichens Kurator des gerade frisch als beliebtestes Festival Deutschlands mit dem Helga-Award ausgezeichneten Orange Blossom Specials – eben auch das Booking für die Rockpalast Festivals in der Bonner Harmonie übernommen hat. „Der macht hier mittlerweile ja ein zweites OBS“ schmunzelte Rockpalast-Chef Peter Flore auf diese Thematik angesprochen.
Uns Konsumenten soll das natürlich nur recht sein, denn auf diese Weise lässt sich der Eindruck, den man als Besucher des OBS von den entsprechenden Acts gewonnen haben mag, noch einmal vertiefen. In dem Fall ging es dann eben um ein Triple-Date des Kanadiers Jerry Leger, der Schotten Wrest und nicht zuletzt der Solinger Musiker Suzan Köcher und Julian Müller – die als Begleitung von Jerry Leger dessen Sound ganz schön gekapert haben. Denn im Vergleich etwa zu der Show in Beverungen klang die Sache in der Harmonie fast schon wie eine charmante Retro-Psychedelia-Party mit 60er-Flair.
Das kommt alles nicht von ungefähr, denn zum einen ist Jerry Leger selbst ein verkapptes Kind der 60er – gleichwohl er tendenziell eher ein Beatles-Fan ist (und hier insbesondere John Lennon, dem er bei der Show zum Geburtstag gratulierte); aber auch die Beatles hatten ja psychedelische Anwandlungen. Und dann ist da noch die Regie von Jerrys Co-Produzenten Julian Müller, der mit seinen Projekten Blackberries und Suzan Köcher’s Suprafon den aktuellen Solinger Psychedelia-Sound in die Welt hinausgetragen hat und sich insofern auch als Bewahrer dieser edlen Musikgattung sehen dürfte. Und der sorgte halt mit seiner Gitarrenarbeit dafür, dass Jerrys Songs – weitestgehend die seiner aktuellen LP „Waves Of Desire“ – tatsächlich wie kleine Psycho-Pop-Juwelen daherkamen. Jerry schien das sogar so viel Spaß zu machen, dass er seine Fender-Gitarre wie eine Rickenbacker einsetzte und „jangelte“, was das Zeug hielt.
Wie gesagt, bestand das Programm aus den Songs des aktuellen Albums – aber mit dem neuen Track „I’m Not Running“ gab es schon mal einen Ausblick auf den für Februar nächsten Jahres angedachten neuen Longplayer „The Contender“ – der im Prinzip schon fertig ist, aber noch produziert werden muss. Und als letzten Song des Sets gab es dann noch Jerrys alten Burner „Factory Made“ von dem Album “Early Riser”, das weiland von Michael Timmins produziert wurde. Jerry Leger sucht sich offensichtlich immer die richtigen Leute für diesen Job.
Nach einer längeren Umbaupause – im Verlaufe derer Jerry Leger ordentlich Merch verkaufte und Suzan Köcher erklärte, dass sie zwar nicht auf Jerrys nächstem Album dabei sein werde, dafür aber ein neues Suprafon-Album für April nächsten Jahres eingeplant sei – ging es dann mit der Show von Wrest weiter. Das Publikum vor der Bühne hatte sich mit Hardcore-Fans gefüllt und feierte Steward Douglas und seine Mannen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Jungs aus Falkirk können in Deutschland auf eine feste Fangemeinde zählen, die ihnen offensichtlich auch von Show zu Show hinterherreist. Das scheint erklärlich, denn die Musik von Wrest ist wie gemacht für den deutschen Markt.
Geprägt von einer sentimentalen Schwermut und dabei doch leicht verständlich und zugänglich arbeiteten sich die vier Schotten durch ein Programm, das weniger auf musikalische Überraschungen und/oder Abwechslung angelegt ist – sondern stattdessen auf Verlässlichkeit. Wenn Wrest einen Song anstimmen, dann weiß der Zuhörer, wie er die nächsten fünf bis sechs Minuten verbringen wird (denn darunter tun’s Wrest nicht).
Das ist natürlich für musikalische Thrill-Seeker nicht die richtige Art von Musik, aber darum geht es ja auch gar nicht, denn offensichtlich machen Wrest die Fans mit dieser Art von Ansatz glücklich – und das ist es, worauf es ankommt. Jedenfalls zeigten sich die Herren aufrichtig gerührt vom Zuspruch der jubelnden, klatschenden, singenden und tanzenden Fans (meist ältere Herren mit lichtem Haupthaar) – belohnten diese mit einigen neuen Stücken (die in Schottland noch niemand zu Ohren bekommen hat) und kamen dann auch noch gerne für eine Zugabe zurück auf die Bühne (etwas, was bei den Rockpalast-Aufzeichnungen gar nicht so oft vorkommt).
Das Highlight war dann der Track „Human“, der vom Publikum mitgesungen wurde. Das hatte dann fast schon einen liturgischen Charakter – was aber ganz gut zum weihevollen Habitus der Musik passt. Insgesamt war das dann tatsächlich mal wieder eine Rockpalast-Show wie gemalt.






























