Platte der Woche KW 04/2022
Momentan wohnt Lissy Fey in Köln. Wo sie herkommt (aus dem Hunsrück ursprünglich) erzählt sie auf ihrem erstaunlichen Debütalbum, aber auch nur im übertragenen Sinne, denn die Gute hat ein Händchen dafür, ihre Anliegen, Empfindungen und Geschichten mit wenigen Worten in klugen und betont unsentimentalen Bildern und Metaphern zu verdichten – und dabei meist im Drei-Minuten-Format zu bleiben. Eine regelgerechte Geschichtenerzählerin ist Lissy dabei nicht. Dafür schafft sie es meisterlich, Emotionen, Ängste, Wünsche und Erinnerungsfetzen lyrisch einzufangen – und dabei eine Vielzahl von auch unangenehmen Themen aufzugreifen. Auf der musikalischen Seite interessant ist der Umstand, dass Lissy als Pianistin agiert – und sich dabei vom typischen Mädchen-Folk-Pop fernhält. Tatsächlich offeriert sie mit unaufdringlicher Instrumentierung und jazzigem Flair einen Ansatz, bei dem Subtilität und Atmosphäre mehr zählen als eingängige Mitsing-Refrains. Lissy Fey versteht etwas von Halbtönen, Rhythmuswechseln, ambitionierten Harmonien und effektvoller Instrumentierung (z.B. mit Bläsern und Synthesizern). Das alles ist meilenweit entfernt vom aktuell angesagten Fake-Soul-Deutsch-Pop und offenbart ein Musikverständnis, das sich eher an klassischen Vorbildern aus der guten alten Zeit orientiert, in der handwerkliches Können noch mehr bedeutete als das Wissen um Autotune und Garageband.
„Da wo ich herkomm“ von Lissy Fey erscheint auf recordJet.