„Latin Jazz“ liest man in diesem Kino ja nicht unbedingt häufig, aber wenn das so klasse gemacht ist, wie hier, wollen wir mal nicht so schubladesk sein: Lulo Reinhardt trägt zwar den großen Namen von Schnuckenack R. sowie des noch größeren Django R., steht aber, nach seinem ersten Soloalbum zu schließen, noch etwas mehr in der Nachfolge von Pedro Ituraldo bzw. Paco de Lucia.
Mit der ’91 u.a. mit seinem Vater Bawo gegründeten Band I Gitanos gelangte der seit seinem fünften Lebensjahr Gitarre spielende Lulo auf die Bühnen Europas, die er beispielsweise mit Toto oder Marla Glen teilen durfte. Auch seine Eigenkompositionen schreiten die Spielarten des Latin Jazz ab: Samba, Rumba, Bossa Nova sowie Flamenco werden auf hohem spieltechnischem Niveau dargeboten. Und zwar auf Lulos Akustikgitarre sowie von einer formidablen Begleitband, bestehend u.a. aus dem phantastischen Sergio Terán an Querflöte und Sax, aus Jürgen Schuld an Percussions und Winfried „Winnie“ Schuld von Menino am Akkordeon, welchletzterer auch für Aufnahme und Mix zuständig war und das „Projekt No. 1“ in einen transparenten, schwebenden Sound gekleidet hat.
Für Freunde handgemachter, südamerikanisch behauchter Musik eine echte Empfehlung. Anspieltipp: „Purro Rom“, was (wohl auf Rätoromanisch?) alter Mann bedeutet. Einziger Kritikpunkt: Keine Frage, der Künstler höchstselbst ist ein bildschöner Mann. Aber ein wehrloses achtseitiges CD-Booklet mit fünf seitenfüllenden, teils weichgezeichneten Close-up-Porträts von sich selbst zu garnieren, zeugt schon – Entschuldigung – von einem ziemlichen Schuss…
„Project No. 1“ von Lulo Reinhardt erscheint auf Toca Records.




