Die schweizer Band Annie Taylor scheint sich auf einer Zeitreise zu befinden. Denn beschäftigten sich Gigi Jung und ihre Jungs auf dem ersten Album „Sweet Mortality“ noch überwiegend mit 80er-Jahre Powerpop-Sounds im L.A.- und NYC-Style, so ist die Band mittlerweile doch stärker beim Grunge-Sound der 90er angelangt. Das ist aber kein Vorwurf, sondern nur die Beschreibung der Basis, auf der Annie Taylor musikalisch agieren. Etwas Neues erfinden will die Band sowieso nichts. Es geht offensichtlich nur darum, den jeweils geeigneten Rahmen für die brillanten Songs zu finden, die die Band scheinbar mühelos reihenweise aus dem Ärmel schüttelt. Mit Unterstützung von Produzent Ali Chant entstand so im Playpen Studio in Bristol (wo schon so manche Brit-Pop-Legende gastierte) erneut ein Album, das – musikalisch gesehen – nach dem „All Killer – No Filler“-Prinzip funktioniert. Eine eigene Note kommt dabei schon alleine durch Ginis Gesang und persönlich gefärbten Selbstfindungs-Lyrics zustande. Bei denen geht es übrigens nicht darum, sich im Kampf mit den eigenen Dämonen zu bewähren, sondern mit heiterer Gelassenheit zu innerer Ausgeglichenheit zu finden. Das ist doch auch mal schön – und motivierend. Es ist dann nach wie vor bemerkenswert wie viele spannende und ungewöhnliche Akkord- und Harmoniefolgen Annie Taylor auf der musikalischen Seite gelingen. Viel Zeit wurde zudem darauf verwendet, für jeden Song eigene Gitarrensounds zu finden und im Vergleich zum Debüt fallen die elaborierten Gesangsharmonien und noch ausgefeilteren psychedelischen Elemente ins Ohr. Ach was solls: „Inner Smile“ ist schlicht eine enorm kurzweilige, brillante Rock-Scheibe ohne jeden erkennbaren Makel geworden. Doppelpunkt!
„Inner Smile“ von Annie Taylor erscheint auf Taxi Gauche/Cargo.




