Ein großes Problem, das die kalifornischen „Stolper Popper“ Local Natives früher oft hatten, war der Umstand, dass sie aufgrund ihrer umtriebigen musikalischen Detailverliebtheit, den komplexen Songstrukturen und den ambitioniert aufgebohrten und geschickt gestaffelten Gesangsharmonien oft vergaßen, Melodien zu suchen, derentwegen sich der ganze Aufwand überhaupt erst gelohnt hätte. Es ginge nun vielleicht zu weit zu sagen, dass die Band auf ihrem fünften Album (das von Indie-Master John Congleton hinter dem Mischpult in L.A. eingespielt wurde) das Konzept grundsätzlich auf den Kopf gestellt hätte – es fällt heutzutage jedoch deutlich leichter, den Musikern auf ihren wilden musikalischen Exkursionen zu folgen. Das liegt unter anderem daran, dass die besagten Gesangsharmonien dieses Mal zu regelrechten Gospel-Chören verdichtet werden und man sich in Sachen Harmonie-Brüchen doch sehr zurück hielt – während in den Songs selbst immer noch zu oft mit Stolper-Beats bzw. Breaks bzw. Stop & Go gearbeitet wird. Bei den oft mit psychedelischen Gitarrenparts angereicherten, fulminanten Finalen entfacht sich dann indes schon eine erhebende Wirkung. Die Band selbst betrachtet das Album als eine Reflexion über den Lauf der Zeiten – denn die Zeit wartet ja bekanntlich auf niemanden und hadern, zögern und aufschieben bringt da gar nichts. Das war dann auch der Grundgedanke, mit dem die inzwischen als Familienväter etablierten Musiker schließlich aus einer kreativen Sinnkrise mit neuer Frische wieder auftauchten. Kurz gesagt gelang den Local Natives auf diese Weise eine moderat zeitgemäß interpretierte und vergleichsweise eigenständige Variante des klassischen Westcoast-Sounds.
„Time Will Wait For No One“ von Local Natives erscheint auf Loma Vista/Universal.




