Share This Article
Reinigendes Gewitter
Es gibt Konzerte, die machen einfach Spaß, aber die Auftritte, die am längsten nachhallen, sind dann doch oft die, die sich anfühlen wie ein reinigendes Gewitter. Das beeindruckende Gastspiel von Emma Ruth Rundle im ausverkauften Gebäude 9 gehört fraglos in letztere Kategorie. Die inzwischen in Portland, Oregon, heimische Singer/Songwriterin, die sich über die Jahre vom brachialen Post-Rock und Shoegaze hin zu einer zutiefst minimalistischen, fast schon schmerzhaft intimen Klangästhetik entwickelt hat, taucht ihr Publikum am ersten Abend ihrer aktuellen Deutschlandtournee rund 90 Minuten lang in ein Meer aus Melancholie.
Sparsam illuminiert und mit einem stimmungsvollen Video-Backdrop als einzigem visuellen Effekt, verzichtet Emma Ruth Rundle dieses Mal sogar auf das Klavier, das auf der Tour zu ihrem letzten Album „Engine Of Hell“ noch ein solch wichtige Rolle gespielt hatte, und verlässt sich ganz auf die Magie ihrer flehenden Stimme voller Dringlichkeit und einer effektbeladenen Akustikgitarre, um gleich zu Beginn bei „Living With The Black Dog“ aufblitzen zu lassen, dass die hypnotische Anziehungskraft ihres düster-wuchtigen Doom-Folk-Soundgewands auch gar nicht nach mehr verlangt. Die pure Dynamik ihres Spiels und die schiere Intensität ihres Gesangs reichen völlig aus, um eine beklemmende, aber gleichzeitig tröstliche Schwere zu kreieren.
Mit dem Gebäude 9 verbindet Rundle viele Erinnerungen, wie sie dem Publikum zu Mitte des Konzerts verrät. Auf ihrer allerersten Tournee mit Red Sparowes stand sie hier auf der Bühne und auch eines ihrer ersten Solokonzerte in Deutschland im Vorprogramm von Wovenhand fand hier statt.
Zumeist bleibt sie zwischen den Liedern aber wortkarg, schließlich sind die zwölf Lieder aus all ihren Platten – von „Arms I Know So Well“ und „Shadows Of My Name“ über „Marked For Death“ und „Protection“ und „Darkhorse“ bis hin zu „Citadel“ – für sie keine bloße Performance, sondern ein allabendliches Durchleben realer Krisen und Traumata. Es ist genau diese Authentizität, die Rundles Live-Auftritte so emotional, so intensiv, so tiefgründig macht. Hier wird nicht versucht, das Publikum mit einer glitzernden Scheinwelt zu blenden, es geht um die ungeschminkte Realität menschlicher Abgründe, die Rundle mit wohligen Moll-Akkorden vertont, um eine bisweilen tranceartige Stimmung im Raum heraufzubeschwören.
Als die letzten Klänge der Zugabe – es ist wieder einmal „Real Big Sky“ – verklingen und die sichtlich bewegen Zuschauerinnen und Zuschauer zum Merch oder zum Ausgang strömen, hat Rundle längst bewiesen, dass die leisesten Töne oft den lautesten Nachhall erzeugen.














